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Der Artikel von Jörg Dreger betont die Bedeutung von Eigenverantwortung, Lagebewusstsein und Führungsfähigkeit für die Handlungsfähigkeit von Organisationen in Krisensituationen. Effektive Sicherheitsmaßnahmen erfordern konkrete Lösungen, klare Verantwortlichkeiten und ein aktuelles Lagebild, um schnell und effizient reagieren zu können.
Ob es fünf vor zwölf, zwölf oder bereits fünf nach zwölf ist, hängt von der Ausgangslage ab. Manche Organisationen haben noch Ressourcen, anderen gehen sie aus. Wieder andere haben wichtige Fähigkeiten bereits verloren. Entscheidend ist: Können und wollen wir noch rechtzeitig handeln? SPARTANAT Autor Jörg Dreger erklärt, warum Eigenverantwortung, Lagebewusstsein und Führungsfähigkeit über die Zukunft der Handlungsfähigkeit von Organisationen entscheiden.
Schon morgen kann ein Ereignis eine Organisation oder einen Leistungsträger existenziell bedrohen. Neben Ausfällen, Naturereignissen und Unfällen müssen wir mit Gegnern rechnen, die gezielt Schwachstellen ausnutzen und kritische Funktionen ausschalten.
Sicherheit ist keine isolierte Disziplin. Sie ist Teil der gesamten Leistungsfähigkeitskette und muss Menschen, Prozesse, Technologien und Ressourcen verbinden. Ihr Zweck ist klar: Organisationen müssen auch unter außergewöhnlicher Belastung entscheidungs- und handlungsfähig bleiben.
Wir brauchen keine symbolischen Sicherheitsmaßnahmen, die auf dem Papier beeindrucken, im Ernstfall aber versagen. Konzepte und Zertifikate ersetzen keine tatsächlichen Fähigkeiten.
Erforderlich sind konkrete Lösungen zur Gefahrenabwehr, die vier Bedingungen erfüllen: Sie müssen wirksam, organisatorisch umsetzbar, mit verfügbarem Personal leistbar und wirtschaftlich tragfähig sein. Eine Maßnahme, die niemand bedienen kann, deren laufender Betrieb nicht finanzierbar ist oder die unter Belastung zusammenbricht, ist keine Lösung.
Gute Maßnahmen unterstützen auch das Tagesgeschäft: Klare Zuständigkeiten, verlässliche Informationswege und eingespielte Prozesse verbessern im Normalbetrieb Effizienz und Geschwindigkeit. Sicherheit darf kein kostspieliges Paralleluniversum sein.
Wer erwartet, dass Staat, Behörden oder externe Dienstleister im Ernstfall jedes Problem rechtzeitig lösen, geht ein erhebliches Risiko ein. Öffentliche Gefahrenabwehr bleibt unverzichtbar, kann aber nicht überall gleichzeitig eingreifen.
Unternehmen und Organisationen müssen ihre kritischen Funktionen kennen, Prioritäten festlegen und selbst Vorsorge treffen. Das heißt nicht, alles allein leisten zu müssen. Vielmehr gilt es, vorhandene Fähigkeiten zu vernetzen, Partner einzubinden und Unterstützung vorab verbindlich zu organisieren.
Nicht jeder braucht einen großen Krisenstab. Aber jeder braucht klare Verantwortlichkeiten, belastbare Abläufe und eine Führungsstruktur, die mit den tatsächlich verfügbaren Menschen und Mitteln funktioniert.
Wer nicht weiß, was geschieht, kann nicht zielgerichtet entscheiden. Ein aktuelles, belastbares Lagebild ist deshalb Grundlage jeder wirksamen Gefahrenabwehr. Es geht nicht darum, möglichst viele Daten zu sammeln, sondern relevante Informationen in konkrete Entscheidungen zu übersetzen.
Was ist passiert? Welche Standorte, Menschen, Lieferketten und Prozesse sind betroffen? Welche Fähigkeiten stehen zur Verfügung? Wo fehlen Ressourcen? Wer entscheidet, wer handelt und mit welcher Priorität?
Ein Lagebild muss für jede Ebene passen, vom operativen Team bis zur Geschäftsführung. Es soll mit vertretbarem Aufwand aktuell gehalten werden und bestehende Daten nutzen. Die beste Darstellung nützt nichts, wenn sie im Ernstfall nicht verfügbar ist.
Krisen warten nicht, bis Arbeitsgruppen gebildet, Zuständigkeiten geklärt oder neue Systeme beschafft sind. Führung, Entscheidung und Kommunikation müssen vom ersten Moment an funktionieren – auch dann, wenn reguläre Infrastruktur ausfällt.
Dafür braucht es erreichbare Verantwortliche, eindeutige Befugnisse, verfügbare Lageinformationen, alternative Kommunikationswege und eingeübte Verfahren. Das muss nicht zwangsläufig teuer sein. Oft lassen sich mit vorhandenen Mitteln und gezielten Ergänzungen deutliche Verbesserungen erzielen. Entscheidend ist nicht die Größe des Konzepts, sondern seine Praxistauglichkeit.
Angesichts wachsender Bedrohungen und knapper Ressourcen können wir uns weder Untätigkeit noch Sicherheitsaktionismus leisten. Wir müssen konsequent vom Ergebnis her denken: Welche Wirkung ist erforderlich? Welche Fähigkeit muss dafür bereitstehen? Und wie lässt sie sich dauerhaft, bezahlbar und mit realistischem Personaleinsatz organisieren?
Nicht die Anzahl beschlossener Maßnahmen entscheidet über Sicherheit, sondern ihre Wirkung im entscheidenden Moment. Fünf vor zwölf, zwölf oder fünf nach zwölf: Entscheidend ist, dass aus Erkenntnissen endlich umsetzbare Handlungen werden.
Im nächsten Artikel geht es um das Lagebild: Wie lässt sich auf jeder gewünschten Ebene, insbesondere in Unternehmen, ein aktuelles, aussagekräftiges und entscheidungsrelevantes Lagebild mit vertretbarem Aufwand herstellen und nutzen?
JÖRG DREGER ist geschäftsführender Gesellschafter der DREGER Group GmbH und verfügt über mehr als 30 Jahre operative Erfahrung in der Informations- und Kommunikationstechnologie sowie im Sicherheits- und Krisenmanagement. Sein Schwerpunkt liegt auf ganzheitlichen Sicherheitskonzepten, dem Schutz kritischer Infrastrukturen sowie der Führungs- und Handlungsfähigkeit von Organisationen in Krisensituationen.
Er ist Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Wehrtechnik (DWT), Sprecher der Sektions- und Arbeitskreisleiter sowie Regionalbeauftragter Rhein-Main des Bundesverbands für den Schutz Kritischer Infrastrukturen (BSKI). Darüber hinaus engagiert er sich als Referent und Veranstalter im sicherheitspolitischen Dialog.
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