Eigentlich es ja so, dass der Einzelne hinter das Team zurücktritt und in seiner Anonymität verschwindet. Aber in Zeiten des Urheberrechtes und der Autorschaft will jeder seinen Namen genannt wissen, wenn etwas passiert ist, was wichtig ist. Robert O’Neill hat Osama bin Laden erschossen.

Er ist als erster seines Teams um die Ecke in Abottabad gekommen und hat auf einen Mann gefeuert, den er da im Nachtsichtgerät erkannt hat. „Tue Gutes und rede darüber“ – so heißt es. Bei der U.S. Navy war man nicht sehr glücklich darüber, dass Informationen zum Ablauf bekannt wurden und dass Navys SEALs so gerne die Öffentlichkeit suchen. Ungefähr gleich kindisch ist aber, dass in den Buch die Namen des Eliteteams – SEAL Team 6 oder DEVGRU – geschwärzt sind, als ob man nicht wüsste, was das ist.

Jenseits dessen: wer sich ein bescheidenes Buch eines US-Soldaten mit doofem Hurra-Patriotismus erwartet, wird enttäuscht werden. Das Ganze ist sehr gut geschrieben, hat auch eine gehörige Portion Selbstreflektion und Humor. O’Neill beschreibt nur als Höhepunkt sein Treffen mit Osama bin Laden, erzählt aber seine ganze Karriere als SEAL von der Schule und Jugend bis hin zu BUD/S, dem superharten Auswahlverfahren, durch die regulären Teams und dann zum „Team ohne Namen“ (DEVGRU).

Ein spannendes Buch, das sicher nicht alles erzählt, aber viel Detailwissen verrät. Und auch die eigene Berühmtheit reflektiert. Denn der Autor berichtet, wie schwierig es ist, derjenige zu sein, der etwas getan hat. Nicht wegen der Bewunderung, sondern auch wegen des Neides und von der Schwierigkeit mit beidem umzugehen.

Der Operator: Wie ich Osama bin Laden getötet habe. Mein Leben als Navy SEAL Sniper“ von Robert O’Neill, Riva Verlag, München 2017, Euro 19,90