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Franz-Stefan Gady beschreibt in „Überfall – Wenn der Krieg zu uns kommt“ ein bedrohliches Szenario für Österreich, in dem die Neutralität infrage gestellt wird. Angesichts globaler Konflikte wird ein realistisches Krisenmanagement thematisiert. Gady fordert eine notwendige Wehrhaftigkeit, während er die spannende Erzählung geschickt gestaltet.
Österreich ist etwas Besonderes. Es ist auch neutral. Das zusammen mit dem Gefühl, das Reich der Mitte zu sein und in der ganzen Welt bedeutsam und vermittelnd, ergibt eine gutgläubige Befindlichkeit, die irgendwie in dem Gefühl endet, dass uns die Welt nichts angeht und wir eh nichts machen können. Aber was, wenn sich das geändert hat? Wenn die Schlafwelt von vor 1989 mit der sicheren Grenze Eiserner Vorhang und Ost- und Westblock wirklich vergangen ist? Und wenn die Geschichte zurückkommt und wirklich etwas passieren kann (was es eigentlich die ganze Zeit schon tut …)
Franz-Stefan Gady, seines Zeichens weitgereister Militäranalyst, liefert ein kleines Weckerli: „Überfall – Wenn der Krieg zu uns kommt“ bringt ein Szenario, in dem die Insel der Seeligen von der harten Wirklichkeit gestreift wird. Die Russen wollen sich im Baltikum engagieren, die NATO hält dagegen. Das neutrale Österreich wird zum Ziel: Bahnhofe, Transportwege, Autobahnbrücken werden gebombt, gesprengt und sabotiert. Nichts geht mehr, kann sich die Alpenrepubik die Mozartkugel geben?
Das Lustige an Szenario-Literatur ist natürlich die Erzählung, die dem Gady unterhaltsam und spannend gelingt. Sie gibt einen intimen Einblick, wie das staatliche Krisenmanagement organisiert ist – und wo man jetzt schon weiß, woran es scheitern wird. Und der Zweck: es soll aufwecken, dass angesichts des Kriegs in der Ukraine und globalen Veränderungen Wehrhaftigkeit eine Notwendigkeit ist. Zwar ist seit der Zeit, wo das Bundesheer unter dem burgenländischen Verteidigungsexperten ff. sich selbst schon aufgegeben hatte einiges Wasser die Donau runter geflossen. Der gelernte Österreicher weiß aber noch immer, wie die Sicherheitssimulation im Lande arbeitet. Jetzt kaufen wir zwar ein, aber bei der Wehrpflichtverlängerung scheitern wir, weil sie nicht nur kostet, sondern obendrein weh tut. Kein Sieg im PR-Krieg. Gady überfällt die Debatte mit wichtigen Argumenten und einer guten Lektüre. „Franz-Stefan, die Russen kommen …“ Sie sind schon da. Und die heiß geliebte Ersatzidentität Neutralität war übrigens einst ein Danaergeschenk der Russen, die in der Nachkriegszeit Österreich abkoppeln wollten. Und für das Gady-Szenario, das mit Drohnen, Raketen und Sabotage kommt, gab es im Kalten Krieg übrigens noch Atombomben. Also so unrealistisch ist das nicht. Doch: Glücklich ist, wer vergisst. Man bringe den Spritzwein …
„Überfall – Wenn der Krieg zu uns kommt“ von Franz-Stefan Gady, Molden Verlag, Wien 2026, 160 Seiten – im wohlsortierten Buchhandel oder auf Amazon zu haben.
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