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Spezialkräfte benötigen optimale Betreuung für Höchstleistungen. Daniel Kaptains erklärt sein Konzept "Operator Tuning", fokussiert auf ganzheitliche Betreuung, um die physische, kognitive und mentale Leistungsfähigkeit zu verbessern. Individualität und persönliche Betreuung sind Schlüssel für erfolgreiche Spezialkräfte.
Spezialkräfte stehen an vorderster Linie, wenn es um die Verteidigung der freiheitlichen Gesellschaft geht. Um die höchste Leitung immer liefern zu können, brauchen sie beste Betreuung. Mit „Operator Tuning“ stellt der Sportwissenschaftler Daniel Kaptain sein Konzept für die bestmögliche Betreuung von Einsatzkräften vor. Wir wollten von ihm wissen, was wichtig ist und wie es um den Sport in der Bundeswehr steht.
SPARTANAT: Daniel, normalerweise „tuned“ man Karren. Was muss man tun, um einen Operator der Spezialkräfte erfolgreich zu tunen?
Daniel Kaptain: Der Begriff „tunen“ soll nicht bedeuten, den Operator „besser“ zu machen – denn er ist schon auf einem extrem hohen Level. Es gilt vielmehr sicherzustellen, dass er die besten Rahmenbedingungen in seinem Ausbildungsalltag und vor bzw. nach Einsätzen erhält. Also „besser“ zu bleiben und ggf. noch „die letzten %“ zu optimieren.
Es geht also darum, die Hochwertressource „Operator“ zu betreuen, wie es im Spitzensport bzw. im Management der Fall ist. Denn oftmals wird dem Operator physische, kognitive und mentale Hochleistung abverlangt bzw. diese erwartet. Daher müssen auch die Rahmenbedingungen in Ausbildung und Alltag diese Anforderung erfüllen.
„Der Operator als Individuum steht im Mittelpunkt. Seine Fähigkeiten machen die Einheit wertvoll.“
SPARTANAT: HPO – kurz für Human Performance Optimization – scheint im sportlichen Trend zu liegen. Was ist das einfach gesagt?
Es ist der ganzheitliche Ansatz, der ein Optimum an physischem Training, spezifischer hochwertiger Ernährung, Regenerationsmanagement und psychischer, mentaler und sozialer Betreuung umfasst. Ähnlich wie im Spitzensport wird versucht, alle beeinflussbaren Einflussfaktoren zu identifizieren, zu individualisieren und zu optimieren. Mit einem umfassenden Betreuungs- und Unterstützungspaket kann die weit überdurchschnittliche Leistungsfähigkeit auch langfristig gesichert werden.
Der Operator als Individuum steht im Mittelpunkt. Ohne seine Fähigkeiten und ohne seine Existenz ist die entsprechende Einheit/Verband nutz- und damit wertlos. Seit einigen Jahren wurde dies – allen voran in den USA – erkannt. Entsprechend wird nun auch hierzulande diesem „Trend“ nachgegangen.
Die Zeitenwende, die Erkenntnis einer realen Bedrohungslage, und die Tatsache, dass die Einsatzkräfte im Fall der Fälle unsere Sicherheit und die Existenz unserer Gesellschaft schützen, scheint langsam bewusst zu werden … Ich will es hier nochmals verdeutlichen: es geht um Verantwortung und Fürsorgepflicht denjenigen gegenüber, die ihre Gesundheit und Leben einsetzen, um den Auftrag zu erfüllen! Dies muss die Politik und auch Gesellschaft anerkennen!

SPARTANAT: Du machst Coaching für Spezialkräfte. Wie wird das angenommen?
Seitens der Einsatzkräfte und des operativ und in der Ausbildung eingesetzten Personals wird es sehr dankbar angenommen. Es sind ja alles „Profis“, die Interesse an stetiger Optimierung haben. Hier wurde schon seit einiger Zeit der Zusammenhang zwischen Support und Effekt erkannt. Man muss dazu sagen, dass sich in den letzten Jahren aber auch ein gewisser Mentalitätswandel vollzogen hat. „Friss Vogel, oder stirb“, ist ein Ansatz, der in Zeiten des Nachwuchsmangels, aber auch der Anspruchsgesellschaft nicht mehr funktioniert. Es geht auch hier um Ressourcenoptimierung und Wertschätzung. Jede Maßnahme, die funktioniert und nachweislich effektiv ist, wird angenommen. Vor allem um sehr gute Männer noch besser zu machen!
Das Problem – wie so oft – ist der Bürokratieapparat und die Politik. Denn ohne finanzielle Mittel geht es kaum. HPO benötigt viel Ressourcen, sowohl personell als auch materiell. Ähnlich wie im Profisport, sind diverse Experten aus unterschiedlichen Professionen gefragt. Vor allem benötigen die Einsatzkräfte aber auch Zeit für diese Maßnahmen. Der Personalmangel und Nachwuchsmangel ist hier ein ernstes Problem, denn die Belastungen werden auf wenige Schultern verteilt. Somit ist die Belastung hoch, die Regenerationszeit (und damit die Zeit für HPO Maßnahmen) gering.
SPARTANAT: Normalerweise geht es beim Militär um Einheit und alle irgendwie gleich. Hier ist jetzt Individualität und persönliche Betreuung der richtige Ansatz?
Jeder Mensch – und damit Operator – hat eine andere Biologie und Vorgeschichte. Sei es der zivile Werdegang (Sport etc.) oder die taktische Ausbildung (Verwendung). Darüber hinaus ist der Körperbau, die Genetik etc. höchst unterschiedlich.
Dies muss gerade heutzutage verdeutlicht werden, denn Wissen ist en masse via Internet etc. verfügbar. Dies ist Fluch und Segen. Denn die Tipps und Ratschläge sind unspezifisch. Was „normal“ ist, da Sender und Empfänger einander völlig unbekannt. So kommt es, dass ein „miss-match“ entsteht und oftmals eine falsche Maßnahme und/oder Dosis angewandt wird. So entstehen Fehler und damit Frust.
Daher habe ich eine Strategie entwickelt und an mittlerweile mehreren hundert Operator über die letzten Jahre etabliert, welche die Individualität betrachtet.
Mein Augenmerk liegt hier vor allem auch der Neurochemie. Diese Betrachtung habe ich als Athletiktrainer vor 20 Jahren in den USA kennengelernt und seitdem die Sportler und Einsatzkräfte (v.a. Spezialkräfte von Polizei und Militär) analysiert und individuelle Trainingskonzepte erstellt. Die Maßnahmen – wie bei HPO auch – umfassen
da diese Bereiche des Nervensystems und den entsprechenden Botenstoffen (Neurotransmittern) gesteuert und beeinflusst sind. Andersherum wird die Funktionalität der Neurochemie durch diese Strategien (Training/Ernährung/Regeneration) „getunt“ – daher auch der Name „Operator Tuning“.
Jeder Operator/Sportler/Klient, den ich betreue, erhält ein solches Protokoll und damit individuelle Strategien zur Umsetzung. Dies macht den Unterschied.
Daher ist es ebenso in meiner Funktion, die Verbände und Führungsebene dahingehend zu beraten, wie ein solches Konzept nachhaltig in den Alltag und Ablauf integriert wird.
„Sport in der Bundeswehr wird falsch gewichtet. Physische Leistungsfähigkeit macht Einsatzfähigkeit.“

SPARTANAT: Was bedeutet der Ansatz für den Sport in der Bundeswehr allgemein? Machen die was falsch?
Generell muss man sagen, dass vieles sehr gut funktioniert, und auch viele motivierte und fachlich versierte Personen involviert sind. Daher ist es nicht unbedingt der „Fehler“ bei Personen oder Maßnahmen zu suchen.
Das Problem ist vielmehr, dass „Sport“ in der Bundeswehr falsch gewichtet wird. Vor allem jedoch, dass körperliche Leistung kein wirkliches (Bewertungs-) Kriterium darstellt. Vielmehr wird „mangelhafte“ bzw. „unterdurchschnittliche“ körperliche Leistung nicht geahndet. Selbiges gilt natürlich auch in breiten Teilen der Bevölkerung – die viel zitierte „Kriegstauglichkeit“ sieht anders aus. Die Bedeutung physischer Leistungsfähigkeit wird oftmals unterschätze oder ignoriert. Sie stellt aber einen elementaren Faktor im Bereich „Einsatzfähigkeit“ dar.
Dies hat zur Folge, dass dem Training in keinster Weise die notwendige Bedeutung beigemessen wird. Heutzutage ist der Begriff „Sport“ auch nicht mehr zeitgemäß im Kontext „combat readiness“ . Die Steigerung bzw. der Erhalt der physischen Leistungsfähigkeit ist vielmehr das, was notwendig ist. Hier zählt ein bedarfsorientiertes, strukturiertes und messbares Training. Dies wird in der Bundeswehr zu wenig realisiert. Wenn der „Unterbau“ schon defizitär ist, so wird die Entwicklung von Hochleistungspersonal nachvollziehbar schwer. Daher sollte eine Struktur etabliert werden, wo Nachwuchskräfte frühzeitig strukturiert und effektiv auf Auswahlverfahren bzw. Verwendungen in speziellen Verwendungen bzw. bei Spezialkräften vorbereitet werden.
Anfänge habe ich 2011–2013 im Rahmen meiner Dissertation umgesetzt und nachweisbar gemacht. Wie so oft wurden diese aber nicht weiterverfolgt.
Dennoch bin ich zuversichtlich, da ich in Bereichen eingesetzt bin, wo Professionalität, Miteinander und der Wille, Dinge umzusetzen, gelebt werden. Dies macht Hoffnung, die in Bezug auf die aktuellen Herausforderungen auch nötig ist.
DANIEL KAPTAIN – die Biographie.
SPARTANAT ist das Online-Magazin für Military News, Tactical Life, Gear & Reviews.
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