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Gear News
TECHTEXTIL 2026:

Im Maschinenraum der Schutzausrüstung

Schutztextilien stehen vor komplexen Herausforderungen: Verfügbarkeit, Kosten und Leistung müssen harmonisiert werden. Auf der TECHTEXTIL und TEXPROCESS 2026 in Frankfurt trafen sich Experten, um innovative Lösungen für militärische Anwendungen zu diskutieren, von nachhaltigen Materialien bis hin zu neuen Technologien für verbesserten Schutz und Komfort.

22/06/2026  Von Redaktion

Schutztextilien stehen vor einer Zerreißprobe: Beschaffungsoffensive gegen Verfügbarkeit, Kostendruck am Standort Europa, Schutzwirkung gegen Tragekomfort, Performance gegen Nachhaltigkeit. Wie sich diese Spannungen in skalierbare, beschaffungsfähige textile Lösungen übersetzen lassen, zeigte sich vom 21. bis 24. April 2026 auf den Leitmessen TECHTEXTIL und TEXPROCESS in Frankfurt am Main. 

Die europäischen Verteidigungsausgaben haben 2025 mit rund 381 Mrd. Euro ein Rekordniveau erreicht, der European Defence Fund führt „Smart and multifunctional textiles“ als eigenes Themenfeld und viele Streitkräfte beschaffen aktiv Schutzausrüstung nach. Das Bundeswehrbeschaffungsbeschleunigungsgesetz kurbelt die Nachfrage nach Schutztextilien zusätzlich an, kann aber keine passenden Materialien, Komponenten oder zertifizierten Lieferanten herbeizaubern. Neben dem Preis ist Lieferfähigkeit zum Knackpunkt der wehrtechnischen Beschaffung geworden.

Eine Plattform für die Versorgungssicherheit

Ob Combat Shirt, Nässeschutz, Helm oder Rucksack – gute Schutzausrüstung beginnt nicht beim fertigen Gear. Sie beginnt bei der Frage, welche Faser eine ballistische Lage trägt, welches Garn im Brandfall nicht schmilzt, welche Beschichtung auch ohne PFAS Öl abweist und ob sich das alles in belastbaren Stückzahlen umsetzen lässt. Hier boten die TECHTEXTIL und TEXPROCESS eine Plattform für fachlichen Austausch zwischen Materialanbietern, Webereien, Verarbeitern, Chemieunternehmen, Maschinenbauern, Forschungseinrichtungen und Systemanbietern. 

Zwischen Ausschreibung und Einsatzrealität

Dieser Dialog innerhalb der Lieferkette ist essenziell, damit technische Leistungsanforderungen und Einsatzrealität im fertigen Schutzsystem zusammenpassen. Denn zum einen unterscheiden sich Spezifikationen und Vergabeverfahren von Heer zu Heer. Zum anderen klafft in der Praxis eine Lücke zwischen den Spezifikationen eines einzelnen Materials oder einer Komponente sowie der Umsetzung innerhalb einer Schutzlösung.

So muss etwa bei einem Gummiband nicht nur der Kraftdehnwert stimmen, sondern auch das Gewicht, die Flammhemmung und das IR-Verhalten. Zudem lassen sich IR-Werte nicht – wie es bei Ausschreibungen teilweise üblich ist – ohne Weiteres von einem Material auf ein anderes übertragen, und ein RAL-Wert auf Papier entspricht nicht 1:1 der Farbe auf dem Stoff.

Und das Geflecht der Anforderungen wird immer komplexer. Bei Multinorm-Anforderungen müssen mehrere Schutzklassen in einem Gewebe zusammenkommen, etwa Hitze- und Flammschutz nach EN ISO 11612, Antistatik nach EN 1149 und Chemikalienschutz nach EN 13034.

In diesem Kontext stärken die TECHTEXTIL und TEXPROCESS das Fundament der europäischen Versorgungssicherheit. Denn nur im Zusammenspiel aller Materialien, Komponenten und Verarbeitungsschritte entscheidet sich, ob Ausrüstung zuverlässig lieferbar ist – und im Einsatz richtig schützt und tarnt, ohne die Soldaten einzuschränken.

Die Faserfrage: leichter, stärker, flexibler

Der ballistische Schutz beginnt bei der Faser. Auch 2026 bleibt UHMWPE (Ultra High Molecular Weight Polyethylen) ein zentraler Werkstoff für leichte Schutzlösungen. Das Polymer ist bis zu 15-mal fester als Stahl und vereint hohe mechanische Belastbarkeit mit minimalem Gewicht. 

Und wenn ein solches Schlüsselmaterial für Body Armor, Helme oder verwandte Schutzanwendungen ohne regulatorisch riskante Lösungsmittel produziert werden kann, steigen Prozessstabilität, Skalierbarkeit und Zukunftssicherheit der Lieferkette. In diesem Zusammenhang erhielt der britische Faserspezialist Fibre Extrusion Technology (FET) den TECHTEXTIL Innovation Award 2026 in der Kategorie „New Production Technology, Digitalization & AI Solutions“ für ein lösungsmittelfreies Verfahren zur Herstellung von UHMWPE. Statt toxischer Lösungsmittel wie Hexan oder Dichlormethan setzt FET superkritisches CO₂ ein. Die mechanische Belastbarkeit und das niedrige Gewicht der Faser bleiben dabei erhalten.

Wenn Hitze, Flamme, Splitter und mechanische Belastung zusammenkommen, sind Aramide das Material der Wahl. Para-Aramid ist wegen seiner Festigkeit gefragt und kommt unter anderem in Soft- und Hard-Ballistik sowie Schnittschutz zum Einsatz. Meta-Aramid ist aufgrund seiner thermischen Beständigkeit prädestiniert für Hitzeschutzkleidung, etwa Feuerwehrjacken.

Lenzing Group (Copyright: Messe Frankfurt/Pietro Sutera)

Flammschutz im Fokus

Schutzfunktionen sollen nicht mehr als Finish oben auf dem Stoff liegen, denn Abrieb und Wäsche erodieren Beschichtungen. Daher wandert der Schutz, beispielsweise Flammschutz, zunehmend in die Faser. Aramidbasierte Systeme, etwa Meta-Aramide wie Nomex oder Para-Aramide wie Kevlar, bringen hitze- und flammenbeständige Eigenschaften ein. Je nach Fasertyp stehen thermischer Schutz, Festigkeit oder Schnittschutz im Vordergrund. Im Zuge dieses Trends zeigte die LENZING GRUPPE auf der TECHTEXTIL flammhemmende Cellulosefasern. HS HYOSUNG präsentierte synthetische Hochleistungsgarne mit ähnlicher Funktion.  

HS HYOSUNG, Advanced Materials (Copyright: Messe Frankfurt/Jean-Luc Valentin)

TECHTEXTIL online

Die Sonderschau „Performance Apparels on Stage“ machte die Vielseitigkeit moderner Flammschutz-Ausrüstung erlebbar. Der Molotov Cocktail Protective Suit des STFI ist für Spezialeinheiten im Langzeiteinsatz von zehn Stunden und mehr entwickelt, schützt vor Brandangriffen und bleibt dabei leicht und atmungsaktiv. TEJIDOS ROYO zeigte mit Royotec Timeless ein Multinorm-PSA-Gewebe mit inhärenter Flammhemmung, 25 Prozent Recyclinganteil und Schutzwirkung auch nach 100 Industriewäschen.

Molotowcocktailschutz (Copyright: STFI)

PFAS: Nachhaltigkeit vs. Einsatzfähigkeit

Wasser-, öl- und schmutzabweisende Ausrüstungen gehören bei militärischer Bekleidung zum Standard. Wasseraufnahme kann ballistische Aramid- oder UHMWPE-Strukturen beschweren, den Tragekomfort schmälern und die Leistung beeinflussen. Wasserabweisung gelingt in vielen Anwendungen inzwischen PFAS-frei; schwieriger bleibt die Ölabweisung. Dennoch wird Ölabweisung in vielen Ausschreibungen weiterhin pauschal gefordert. Dafür bleiben PFAS beziehungsweise C6-Chemie relevant.

Auf der Lösungsseite stehen Verfahren wie EC0Tex von BÄUMLIN & ERNST und EMPA. Trockene Plasmatechnologie kommt hier zum Einsatz, um Garne dauerhaft wasserabweisend und schnelltrocknend auszurüsten, ohne PFAS oder große Prozesswassermengen. Die Funktion entsteht nicht durch Behandlung des fertigen Gewebes, sondern direkt auf Filamentebene. H&B MATERIALS, Gewinner des TECHTEXTIL Innovation Awards 2026 in der Kategorie „New Chemicals & Dyes“, zeigte biobasierte, PFAS-freie wasserabweisende Ausrüstung auf Basis von Fettsäuren aus Agrarabfällen. 

Die grundlegende Frage bleibt: Welche Anforderungen in Ausschreibungen sind funktional notwendig, und welche werden aus Gewohnheit fortgeschrieben? Regulierung und die tatsächliche Funktion im Einsatz müssen zusammen gedacht werden. Dazu braucht es neue Prüfungsverfahren, neue Grenzwerte und vor allem mehr Dialog zwischen Beschaffung, Materialherstellern und Anwendern.

Tarnung ist längst mehr als Farbe

Moderne Schutz- und Einsatztextilien müssen im sichtbaren Spektrum und im NIR zuverlässig funktionieren. Je nach Anwendung kommt auch die thermische Signatur hinzu. Dies gilt auch für Kordeln, Bänder, Klett, Kunststoffteile und Beschichtungen. Ein perfekt getarnter Stoff bringt wenig, wenn die Hardware unter Nachtsicht „auffliegt“. IR-/NIR-Remission ist daher ein zentrales Auswahlkriterium für Defence-Anwendungen. Damit rücken neben Chemie und Garn auch Verarbeitungstechnologien in den Fokus: Drucksysteme, Kettenwirktechnik und präzise Prozessführung entscheiden mit darüber, ob Tarnung und Schutz in Serie reproduzierbar bleiben.

ARCHROMA verfolgt mit TOUGH CAMO wasserbasierte Pigmentdrucksysteme für militärische Camouflage-Anforderungen inklusive Infrarot-Reflektivität. J. Zimmer arbeitet mit COLARIS an digitalem Inkjet-Druck für Tarnmuster, inklusive spezifischer Küpenfarben für militärische Anwendungen. Der Vorteil digitaler Systeme liegt in Reproduzierbarkeit, Geschwindigkeit und Musterflexibilität. Der Anspruch bleibt derselbe: Der Stoff muss nach Abrieb und Wäsche noch tarnen.

Digitaler Camouflage-Druck von J. Zimmer Maschinenbau GmbH mit COLARIS (Bildquelle: J. Zimmer Maschinenbau GmbH)

KARL MAYER zeigte mit der Warp Knitted UV Protection Jacket ein anderes Beispiel für Schutz durch Struktur statt Chemie. UV-Schutz 50+ entsteht hier allein durch eine dichte Kettenwirkstruktur. Bei gleichem Gewicht soll das Material atmungsaktiver sein als vergleichbare Rundstrickware. 

KARL MAYER Textilmaschinen GmbH (Copyright: Messe Frankfurt/Pietro Sutera)

CBRN, Aktivkohle und die Frage nach tragbarem Schutz

CBRN-Schutz ist ein gutes Beispiel für den Zielkonflikt verschiedener Eigenschaften von Schutztextilien. Schutz gegen chemische und biologische Bedrohungen fordert Barrierewirkung oder Adsorption. Der Körper fordert Luft, Feuchtetransport und Wärmeabgabe. CBRN-Schutz muss somit leichter, atmungsaktiver und länger tragbar werden. 

CHEMVIRON präsentierte auf der TECHTEXTIL 2026 mit Flexzorb ein Aktivkohlegewebe für Schutzanzüge, das ohne Bindemittel und ohne Trägermaterial auskommt. Ziel ist ein geringeres Gewicht bei gleicher Schutzfunktion gegen chemische und biologische Waffen, unter anderem für Feldeinsätze sowie Schutzanzüge für Helikopter- und Kampfjetpiloten. 

Flexzorb: Schutz vor toxischen CBRN-Gefahren (Copyright: Chemviron)

Andere Entwicklungen gehen einen Schritt weiter: weg von rein passiver Adsorption, hin zu aktiver Dekontamination. Das Textil NeutraliZr des Ausstellers HEATHCOAT ist mit Zirkoniumhydroxid imprägniert und soll chemische Kampfstoffe wie VX, GB/Sarin oder Senfgas nicht nur aufnehmen, sondern hydrolysieren. Bei Tests konnte ein Universal Decontamination Mittel über 99 Prozent chemischer Kampfstoffe von Ausrüstung und über 90 Prozent von Hautäquivalenten entfernen. 

NeutraliZr (Copyright: Heathcoat)

Für Einsatzkräfte zählt die tragbare Schutzdauer. Ein CBRN-System, das auf dem Papier hervorragend schützt, aber Hitzestress erzeugt, bewährt sich nicht im Einsatz. Deshalb rücken leichtere Aktivkohlestrukturen, atmungsaktive Membranen, bessere Laminierungen und gezieltes Feuchtemanagement zusammen.

Tragekomfort ist Leistungsreserve

Vor diesem Hintergrund lassen sich Schutztextilien nicht auf einzelne Parameter wie Wärmedurchgangs- oder Wasserdurchgangswiderstand reduzieren. Die Interaktion zwischen Körper und Textil ist komplexer. Simulationen, wie Empa sie durchführt, helfen, Materialien vor Feldversuchen einzugrenzen. Eine Simulation dauert Minuten, Feldversuche dauern Monate. Gerade in der Verteidigung, wo reale Einsatzbedingungen schwer simulierbar und Probandenstudien aufwendig sind, können Simulationen die Entwicklung beschleunigen.

Die Zielrichtung ist klar: Hitzestress und Wasserverlust müssen runter. Schutz darf nicht zulasten der Einsatzfähigkeit gehen. Kleine Unterschiede im Material machen sich nach Stunden deutlicher bemerkbar als nach fünf Minuten im Showroom.

Der Aussteller OUTLAST Technologies setzt dafür auf Phase Change Materials und Aerogel-Isolation. PCM nimmt Wärme auf, wenn der Körper aufheizt, und gibt sie wieder ab, wenn die Temperatur sinkt. AERSULATE arbeitet mit Aerogel und soll bei sehr geringer Dicke auch unter Druck isolieren. Gerade unter Plattenträgern, Schultergurten oder Rucksacklast ist das relevant, weil viele klassische Isolationsmaterialien bei Kompression Leistung verlieren.

Gurtband, Kordel, Elastik: kleine Teile, große Folgen

Schmaltextilien wirken unscheinbar, bis sie versagen. Gurtbänder, Kordeln, elastische Bänder, Einfassungen und Nähte bestimmen, ob Ausrüstung sitzt, Last aufnimmt, nicht verrutscht und unter Wetter, Wäsche und Bewegung stabil bleibt. Auch Nähte und Nahtabdichtungen sind hier sicherheitsrelevant. Ein wasserdichtes Laminat verliert seine Wirkung, wenn die Naht nicht sauber abgedichtet ist. Hochleistungstextilien werden an den Verbindungen schwach, wenn Tapes, Garne, Kleber oder Schweißprozesse nicht mit dem Grundmaterial zusammenspielen.

GÜTH & WOLF zeigte mit Shock Absorbing Webbing, dass ein Band nicht nur halten, sondern Energie managen kann. Über kontrolliert reißende Strukturen wird die Kraft-Zeit-Kurve bei abrupten Belastungen verändert. Das ist hilfreich bei Fangstoßszenarien, Retention Lanyards, Helikopter-Crews oder Luftlande-Anwendungen. 

Bandfalldämpfer (Copyright: Güth & Wolf GmbH)

BOWMER BOND adressiert Wasser, Salz, Schlamm und Frost. Beschichtete Gurtbänder mit PU oder PVC verhindern, dass Feuchtigkeit in die Faserstruktur eindringt. In maritimen oder winterlichen Umgebungen bleibt das Band damit leichter, flexibler und mechanisch berechenbarer.

Hardware wird leichter, leiser, unauffälliger

Auch bei Verschlüssen und Hardware verschiebt sich der Fokus. Metall war lange gesetzt, weil es stabil ist. Aber Metall ist schwer, kann korrodieren, klirrt und verhält sich unter IR nicht automatisch wie das textile Umfeld. Moderne Polymerhardware versucht, Stabilität, Gewicht, Signatur und Bedienbarkeit zusammenzubringen.

Die neue Cobra NG (Copyright: AustriAlpin) 

Die COBRA NG von AUSTRIALPIN ist mit 24 Gramm Gewicht und 150 Kilogramm Bruchlast für nicht-lebenserhaltende Tragesysteme wie Battle Belts, Rucksäcke oder leichte Plattenträgerdetails interessant. DUE EMME adressiert mit dem SPIDER Quick Release System Plattenträger und taktische Westen. Polymer-Pullers und Webbing-Management reduzieren Geräusche und lose Enden.

Smart Textiles: sinnvoll, wenn sie robust bleiben

Funktionieren Smart Textiles auch nach der Wäsche, nach Knick oder Abrieb? Lassen sie sich konfektionieren, und wie sieht es mit der Zertifizierung aus? Diese Fragen müssen beantwortet werden, damit der Trend „Smart Textiles“ in reale Ausrüstung wandert. 

IMBUT arbeitet an elektrisch leitfähigen Strukturen im Gewebe, etwa für Drucksensorik oder Daten- und Energietransport. Und AweXome Ray geht mit axrial in Richtung Carbon-Nanotube-Filamente für die EMI-Abschirmung – eine Art textiler Faraday-Käfig anstelle von schwerer Kupferdraht-Struktur. EMI-Abschirmung gewinnt an Bedeutung, weil moderne Soldatensysteme immer mehr Funk, Optronik, Energie, Sensorik und Daten führen. Mehr Elektronik erhöht die Sichtbarkeit – und damit die Verwundbarkeit. 

Zirkularität: möglich, aber nicht als Dogma

Nachhaltigkeit hat im Defence-Kontext einen anderen Stellenwert als im Outdoor- oder Modebereich. Kein Heer wird im Dienst der Klimabilanz Abstriche bei der ballistischen Schutzwirkung akzeptieren. Trotzdem werden Recycling und Zirkularität wichtiger, wenn sie die Abhängigkeit von Rohstoffen senken und Sekundäranwendungen unterstützen. 

Nicht jede recycelte Faser gehört sofort in eine ballistische Schutzlage. Sinnvolle Einstiege liegen bei Trägerhüllen, Übungsmaterialien, Polstern, Isolationslagen, akustischen Fahrzeugmaterialien, Rucksackkomponenten oder nichtkritischen Geweben. Chemisches oder enzymatisches Recycling kann langfristig höherwertige Kreisläufe öffnen, wenn Qualität und Nachweisführung stimmen.

Erste Ansätze dazu zeigten Aussteller der diesjährigen Techtextil. Das Aachener Start-up RE.SOLUTION, Gewinner des TECHTEXTIL Innovation Awards 2026 in der Kategorie „New Recycled Materials & Recycling Technologies“, setzte auf elektrochemisches Polyester-Recycling. In derselben Kategorie wurde das australische Biotech-Unternehmen Samsara für seine enzymbasierte Recyclingtechnologie gewürdigt. ANDRITZ zeigte mechanische Reißanlagen wie reXline und X-PRO Crosslapper zur Rückführung textiler Abfälle in Vliesstoffe. 

Für Defence-Textilien reicht es nicht mehr, Materialdatenblätter zu vergleichen. Entscheidend ist, ob Faser, Garn, Ausrüstung, Verarbeitung und Prüfung zusammen ein belastbares System ergeben. Genau hier liegt der Wert der Techtextil: Sie brachte die verschiedenen Stufen der textilen Kette an einen Ort und machte sichtbar, welche Lösungen 2026 industriell anschlussfähig sind.

Beschaffer und Systemanbieter auf der Suche nach leichterer Ballistik, PFAS-freier Ausrüstung, IR-stabilen Komponenten, atmungsaktiven Barrieren oder robusten Schmaltextilien erlebten in Frankfurt die Voraussetzungen für verlässliche Endprodukte: verfügbare Materialien, skalierbare Prozesse, passende Verarbeitungspartner und prüfbare Standards.

TECHTEXTIL online

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