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Konflikte
Rüstungswirtschaft:

Seltene Erden, Magnete und Chinas Kontrolle

Der PREWAVE-Report „Magnetic West“ beleuchtet die Abhängigkeit europäischer Lieferketten von chinesisch dominierten Permanentmagnet-Ökosystemen. China kontrolliert 90% der Raffination und Magnetproduktion seltener Erden. Der Fokus liegt auf der Notwendigkeit, industrielle Kapazitäten außerhalb Chinas aufzubauen, um Resilienz zu steigern.

22/07/2026  Von Redaktion

China hat zuletzt mehrere US-Unternehmen aus dem Rare-Earth- und Defense-Umfeld auf eine Exportkontrollliste gesetzt, darunter MP Materials und USA Rare Earth. Beide stehen für den Versuch, im Westen unabhängige Lieferketten für Seltene Erden und Permanentmagnete aufzubauen.

Für Europas Verteidigungsindustrie ist das ein Warnsignal. Moderne Systeme brauchen nicht nur Elektronik, Munition und Produktionskapazitäten, sondern auch Komponenten wie Permanentmagnete. Sie kommen unter anderen in Sensorik, Radar- und Kommunikationstechnologien, Präzisionssystemen, Antrieben sowie Luft- und Raumfahrtanwendungen zum Einsatz. Kritisch ist dabei vor allem die Wertschöpfung davor: China dominiert zentrale Schritte von der Raffination Seltener Erden – 90 Prozent davon geschieht in China – über Metallisierung und Legierung bis zur Magnetproduktion (ebenfalls 90 Prozent in China).

Der neue PREWAVE-Report „Magnetic West“ zeigt, warum diese Abhängigkeit auf direkter Lieferantenebene leicht unterschätzt wird. Wer nur auf direkte Zulieferer blickt, erkennt oft nicht, wie tief europäische Lieferketten in chinesisch geprägte Verarbeitungs- und Magnetnetzwerke eingebunden sind. Was stattdessen zu tun ist, findet sich ebenfalls im Report.

Das Risiko beginnt dort, wo Transparenz endet

Auf Tier-1-Ebene wirkt Europas Magnet-Lieferkette diversifiziert. Auf Tier-5-Ebene allerdings sind mehr als 81 Prozent der untersuchten Unternehmen mit chinesisch dominierten Permanentmagnet-Ökosystemen verbunden. Genau diese Diskrepanz macht Permanentmagnete zu einem der am schwersten erkennbaren Lieferkettenrisiken der europäischen Industrie. Während direkte Zulieferer nur selten auf China verweisen, steigt die Exposition über die vorgelagerten Lieferantenstufen von 0,6 Prozent auf Tier 1 auf 17 Prozent auf Tier 2, 61 Prozent auf Tier 3, 78 Prozent auf Tier 4 und mehr als 81 Prozent auf Tier 5.

Die Ergebnisse verdeutlichen ein grundsätzliches Problem vieler Resilienz-Strategien: Lieferketten wirken häufig diversifiziert, weil Unternehmen vor allem ihre direkten Zulieferer kennen. Die eigentlichen Konzentrationsrisiken liegen jedoch oft mehrere Stufen höher in der Wertschöpfungskette. Dort bündeln sich Rohstoffströme, Verarbeitungsprozesse und technologische Kompetenzen häufig bei einer vergleichsweise kleinen Zahl von Akteuren.

Für die Industrie im DACH-Raum ist diese verdeckte Abhängigkeit von Permanentmagneten aus China besonders relevant. Deutschland, Österreich und die Schweiz vereinen eine hohe Dichte an Automobilherstellern, Zulieferern, Maschinenbauunternehmen, Automatisierungsspezialisten und industriellen Exporteuren. Viele dieser Branchen zählen zu den zentralen Anwendern von Permanentmagneten – in E-Antrieben, Servomotoren, Robotik, Sensorik, Windkrafttechnik und Präzisionssystemen. 

China führt im Abbau Seltener Erden im Moment noch absolut. (pexels Copyright Volker Braun)

Der eigentliche Engpass liegt nicht im Bergbau

Die öffentliche Diskussion über Seltene Erden konzentriert sich häufig auf Rohstoffvorkommen. Tatsächlich sind Seltene Erden keineswegs ausschließlich in China verfügbar. Bedeutende Reserven existieren unter anderem in Australien, Nordamerika, Europa, Brasilien und verschiedenen afrikanischen Staaten. Der entscheidende Engpass liegt daher nicht in der Geologie, sondern in der industriellen Verarbeitung.

Zwischen dem Abbau von Seltenen Erden und dem fertigen Permanentmagneten liegen zahlreiche hochspezialisierte Prozessschritte. Dazu gehören die Trennung und Reinigung der einzelnen Elemente, die Raffination, die Metallisierung, die Herstellung von Legierungen sowie die eigentliche Magnetproduktion. Insbesondere die Verarbeitung schwerer Seltener Erden wie Dysprosium und Terbium gilt als technisch anspruchsvoll, kapitalintensiv und ökologisch herausfordernd. 

Während viele westliche Volkswirtschaften diese Produktionsstufen über Jahrzehnte ausgelagert haben, investierte China systematisch entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Dadurch entstanden nicht nur Produktionskapazitäten, sondern auch technologische Expertise, industrielle Cluster, Lieferantenbeziehungen und Prozesswissen, die heute nur schwer reproduzierbar sind.

Das Ergebnis ist eine außergewöhnliche Konzentration industrieller Kapazitäten. Heute entfallen rund 90 Prozent der weltweiten Raffineriekapazitäten für Seltene Erden sowie 85 bis 90 Prozent der globalen Permanentmagnetproduktion auf China. Hinzu kommt die dominante Stellung bei der Verarbeitung schwerer Seltener Erden, die für zahlreiche Hochleistungsanwendungen unverzichtbar sind.

Das strategische Risiko entsteht also nicht primär durch Rohstoffknappheit, sondern durch die Konzentration industrieller Fähigkeiten.

Warum die „Vietnam-Lücke“ keine echte Diversifizierung geschaffen hat

Vietnam gilt als Blaupause erfolgreicher Diversifizierung: Eigene Rohstoffvorkommen, wachsende Fertigungskapazitäten und die Einbindung in asiatische Industrielieferketten machten das Land zu einer vermeintlich attraktiven Alternative. Tatsächlich hat sich häufig nur die Endfertigung verlagert. Die vorgelagerten Verarbeitungsstufen dagegen blieben eng mit chinesischen Lieferanten verknüpft; Unternehmen in Vietnam beziehen weiterhin Rohstoffe, Zwischenprodukte oder technologische Vorleistungen aus China. Gleichzeitig expandieren chinesische Unternehmen selbst nach Vietnam und begleiteten damit die geografische Verlagerung ihrer Kunden.

In Vietnam ist also kein alternatives Ökosystem entstanden, sondern lediglich ein neuer geografischer Zugang zur bestehenden chinesischen Wertschöpfungskette. 

Alternativen entstehen – aber nur langsam

Aktuell entstehen außerhalb Chinas neue industrielle Ökosysteme. Unternehmen in Australien, Nordamerika und Europa investieren zunehmend in Bergbau, Raffination, Metallverarbeitung, Magnetproduktion und Recycling. Diese Entwicklungen markieren den ersten ernsthaften Versuch seit Jahrzehnten, eigenständige Kapazitäten entlang der Wertschöpfungskette für Seltene Erden und Permanentmagnete aufzubauen. Dennoch befinden sich viele Projekte noch in frühen Entwicklungsphasen.

Besonders die Verarbeitung schwerer Seltener Erden bleibt ein kritischer Engpass. Die derzeit geplanten Projekte werden das globale Versorgungsgleichgewicht aber voraussichtlich frühestens 2027–2030 wesentlich verändern können. Eine kurzfristige Entkopplung von China erscheint unrealistisch.

Resilienz statt Entkopplung

Für den Moment müssen Unternehmen zunächst ihre Abhängigkeiten besser verstehen. Dazu gehören insbesondere die Analyse von Tier-n-Lieferantenstrukturen, die frühzeitige Qualifizierung alternativer Anbieter, die Verringerung des Einsatzes kritischer Materialien wie Dysprosium und Terbium sowie die aktive Beteiligung an entstehenden nicht-chinesischen Wertschöpfungsnetzwerken.

Die eigentliche Herausforderung besteht nicht darin, neue Rohstoffquellen zu erschließen. Entscheidend wird sein, ob und wie schnell Europa eigene industrielle Kapazitäten für Separation, Raffination, Metallisierung und Magnetproduktion aufbauen kann. Bis dahin bleibt ein zentraler Teil der industriellen Transformation von Lieferketten abhängig, auf die Europa nur begrenzten Einfluss habt. 

Der vollständige PREWAVE Report „Magnetic West“ ist unten im Link gratis downloadbar. 

Über den Report

Der neue PREWAVE-Report „Magnetic West“ untersucht die Abhängigkeit europäischer Lieferketten von chinesisch dominierten Wertschöpfungsketten für Seltene Erden und Permanentmagnete. Grundlage der Analyse ist eine Tier-n-Netzwerkauswertung des Prewave Supply Chain Graph, in der 169 große europäische Unternehmen aus den besonders relevanten Sektoren Automobilindustrie, Energie, Chemie, Advanced Manufacturing und Verteidigung betrachtet wurden. Das Ergebnis: Die Abhängigkeit Europas von chinesischen Permanentmagnet-Ökosystemen ist deutlich größer, als klassische Lieferantenanalysen vermuten lassen. HIER gibt es den Report im Download. 

Über PREWAVE

PREWAVE revolutioniert das Risikomanagement in der Lieferkette mit seiner umfassenden End-to-End-Plattform. Das 2017 gegründete Unternehmen kombiniert fortschrittliche KI-Technologie mit fundierter Branchenexpertise, um Transparenz und Kontrolle über Risiken in der Lieferkette zu bieten. Die Plattform analysiert Daten aus über 200 Risikokategorien und mehr als 400 Sprachen und ermöglicht es Unternehmen wie Lufthansa, Ferrari und Toyota, Störungen zu antizipieren und zu mindern, bevor sie sich auf den Betrieb auswirken. Von Tier-1-Lieferanten bis hin zur äußeren Ebenen der Lieferkette gewährleistet die Lösung von PREWAVE in jeder Phase Resilienz, Transparenz und Nachhaltigkeit. PREWAVE wurde als führendes Unternehmen im Gartner® Magic Quadrant für Lieferantenrisikomanagementlösungen 2025 ausgezeichnet.  

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