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Veranstaltungen
Carl-Cranz-Gesellschaft (CCG):

Volltreffer! Das Handwaffen-Seminar

Im Herbst veranstaltete die Carl-Cranz-Gesellschaft (CCG) ein Seminar zur Ballistik von Handfeuerwaffen in Wien. Fachvorträge und Praxisübungen beleuchteten moderne Waffen- und Ballistikthemen, während Experten aus verschiedenen Bereichen zusammenkamen, um Wissen auszutauschen und aktuelle Entwicklungen zu diskutieren.

19/02/2026  Von Redaktion

Wissen ist Macht. Und Wissen wird gemacht, indem man Menschen zusammen bringt. Die einen haben etwas zu sagen, die anderen hören zu, diskutieren und lernen. Genau das hat die Carl-Cranz-Gesellschaft (CCG) im Herbst in Wien organisiert: Im Rahmen des Seminars „Ballistik der Handfeuerwaffen – Schwerpunkt Präzisionswaffen“, das unter der wissenschaftlichen Leitung des international tätigen Ballistikexperten Armin Zotter stand, wurden über vier Tage intensiv Wissen vernittelt. 

Inhaltlich reichte das Spektrum von grundlegenden Aspekten der Innenballistik bis hin zu Fragestellungen der Wundballistik im forensisch-medizinischen Zusammenhang. Die Veranstaltung richtete sich an Nutzer sowie an behördliche Stellen, die für die Beschaffung von Kurz-, Lang- und Spezialwaffen samt Munition verantwortlich sind, insbesondere aus Polizei, militärischen Einheiten, Spezialeinsatzkräften und dem Justizbereich. Ballistikfachleute und Experten für Handfeuerwaffen aus Industrie, Behörden, Sicherheitsfirmen und kriminaltechnischen Einrichtungen sind ebenfalls Zielgruppe, die bei der Wiener Veranstaltung genau getroffen wurde.

Der Gastgeber in Wien Penzing: die Lehrabteilung Waffentechnik der Heereslogistikschule des Österreichischen Bundesheeres, die Teilnehmer aus dem gesamten DACH-Raum. Drei Tage HLog Mehrzwecksaal, ein Tag dichte Praxis am Schießplatz, dazu ein Rahmenprogramm, das die Besucher des CCG-Seminars unter anderem ins Heeresgeschichtliche führte, wo so manche waffentechnischen Besonderheiten zu bestaunen waren. 

Einbegleitet wurde das Seminar von CCG-Geschäftsführer Christian Munz. Die Carl-Cranz-Gesellschaft e.V. (CCG) ist eine gemeinnützige Weiterbildungsorganisation für Ingenieure und Naturwissenschaftler, gegründet 1960. Als eine Art hochgradig spezialisierte „Volkshochschule“ in der Branche bietet die CCG ein volles Programm von jährlich über 100 praxisnahe Seminare in Bereichen wie Wehrtechnik, Sicherheit, Zukunftstechnologien und Verkehr an. Dazu bedient sie sich eines Netzwerkes aus Experten in Deutschland, Österreich und der Schweiz, die Zielgruppe ist ebenso hoch spezialisiert und besteht aus Fach- und Führungskräften. Carl Cranz, der Namensgeber der Gesellschaft, war übrigens einer der Begründer der modernen Ballistik. 

Der Gastgeber Österreichisches Bundesheer hat sich übrigens nicht lumpen lassen und gleich zum Einstieg gab es einen Einblick in die Geschichte und Aktualität der heimischen Armeebewaffnung. Mit dabei die letzte Evolutionsstufe des STEYR AUG als StG77 – hier in der Version, wie es gerade an das Jagdkommando ausgegeben wird – mit einem vorgezogenen Handguard, mit grünlicher IR-Beschichtung und einer durchgehenden Rail, die nun eine offene Optik-Architektur ermöglicht. Hier wird ab jetzt ein AIMPOINT Micro Rotpunkt mit Magnifier, beides auf UNITY TACTICAL Montagen, verwendet. 

Im Verlauf des ersten Seminartages wurden dann mehrere Fachvorträge präsentiert, die unterschiedliche Aspekte moderner Waffen- und Ballistikthemen beleuchteten und sowohl technische als auch einsatzpraktische Fragestellungen behandelten: Den Auftakt machte Robert Hruschka mit einem Beitrag zur Abgangsballistik. Im Mittelpunkt standen die Auswirkungen verschiedener Mündungsaufsätze auf die Treffpunktlage sowie auf die Präzision beziehungsweise Streuung von Schüssen. Anhand praktischer Beispiele wurde gezeigt, wie unterschiedliche Systeme das Schussverhalten beeinflussen können.

Im Anschluss widmete sich Matthieu Glardon aktuellen Waffeneinsätzen in der Schweiz. Der Vortrag behandelte behördliche Schussabgaben zur Selbstverteidigung, deren juristische Bewertung sowie typische Herausforderungen in Einsatzlagen. Besonderes Augenmerk galt der Problematik einer verzögert eintretenden Handlungsunfähigkeit von Getroffenen, die anhand konkreter Fallbeispiele erläutert wurde.

Nach der Mittagspause stellte Bernd Krause verschiedene Kaliber mit gleichem Geschossdurchmesser im Bereich 7,62 mm gegenüber. Dabei wurden die Einsatzmöglichkeiten und Leistungsunterschiede von .300 Blackout, .308 Winchester und .300 Winchester Magnum in einem technischen Vergleich analysiert und hinsichtlich typischer Anwendungsfelder eingeordnet.

Den Abschluss bildete der Vortrag von Andreas Nehme, der sich mit der Weiterentwicklung moderner Waffensysteme befasste. Im Fokus standen Maßnahmen zur Steigerung der Einsatzleistung bei gleichzeitiger Reduzierung von Gewicht und Belastung für die Nutzer, was insbesondere für militärische und behördliche Anwendungen von Bedeutung ist.

Insgesamt zeigte der Seminartag die große Bandbreite aktueller Entwicklungen und Diskussionen im Bereich moderner Handfeuerwaffen – von physikalisch-technischen Grundlagen bis hin zu praktischen Einsatz- und Bewertungsszenarien.

„Grau, teurer Freund, ist alle Theorie, und grün des Lebens goldner Baum“, verkündet bildungsbürgerlich Goethes Faust die Lebensweisheit. Nun waren die Theorieteile keineswegs „grau“, sondern sehr bunt und extrem spannend. Aber nichts geht über Praxis und wirklich anschauen, was wirkt. 

Der Praxistag am Schießplatz war so extrem bereichernd. Dazu gehört allerhand spannendes Gerät. Über AUSTRIA ARMS sind hier zwei besondere, aktuelle Waffen kommen: ein BARRETT MRAD Scharfschützengewehr und vorne eine leichtes Maschinengewehr LAMG von KNIGHT'S ARMAMENT, wie es etwa von amerikanischen Spezialkräfte (Delta und Rangers) verwendet wird. Dieses Waffe ist extrem leicht und bewegungsorientiert angelegt und gehört zu einer neuen Klasse an Sturm-MGs, die gerade auftaucht. 

Und dann wird getestet. Einer großen Palette an Munition und unterschiedlichsten Waffen standen Ziele gegenüber, die widerstehen sollen. Und anhand derer man die Wirkung von Projektilen ermessen kann. Hier zwei Schutzwesten und ein Helm, wie sie von der Exekutive verwendet werden. 

Die Löcher schauen dann nicht immer so spektakulär aus wie im Film, aber sie belegen ohne Diskussion, wie erfolgreich welche Schutzmaßnahmen gegen welche Munition sind. 

Schutzplatten sind ein großes Thema. Vom Pistolenkaliber 9mm über das 300BLK bis zu .50 konnte vieles – inklusive spannender Spezialmunition, die ganz erstaunlich penetrieren kann – direkt „erforscht“ werden. Durch das Betrachten und den Vergleich im Beschuss bekommt man eine direkte Relation der Wirkung, was extremst erkenntnisreich ist. 

Auch mehrfach im Einsatz: klassische Gelatineblöcke und eingespannte Blechplatten, die zeigen, wie unterschiedlich sich Projektile in Materie oder gegen Materialwiderstand verhalten. 

Ein weiterer Seminartag stand im Zeichen praxisnaher und technischer Fragestellungen rund um Einsatzbedingungen, Systemoptimierungen und forensische Erkenntnisse. Zum Auftakt erläuterte Jochen Peelen die Besonderheiten von Unterschallmunition. Thematisiert wurden die begrenzte Geschossenergie, die deutlich gekrümmte Flugbahn sowie der Einfluss von Seitenwind. Daraus ergeben sich spezifische Herausforderungen für die Trefferwahrscheinlichkeit in realen Einsatzszenarien.

Im Anschluss stellte Theo Fischer (Bild) aktuelle Programme zur Erprobung und technischen Weiterentwicklung von Waffen und Komponenten vor. Der Vortrag zeigte, wie durch Zusammenarbeit mit militärischen Dienststellen bestehende Systeme optimiert und an neue Anforderungen angepasst werden können. Aber auch, wie schwierig es sein kann manchmal die selbe Sprache zu sprechen und mit Normen das Problem richtig zu fassen. Darauf folgte ein gemeinsamer Beitrag von Hermann Zwanzinger und Anton Eder, die behördliche Überlegungen zur Ausstattung von Dienstwaffen darlegten. Diskutiert wurden unter anderem Zusatzsysteme wie Reflexvisiere oder taktische Licht- und Lasermodule und deren Nutzen im Einsatz.

Nach einer Mittagspause präsentierte Sebastian Lui moderne Entwicklungen im Bereich temperaturbeständiger Schalldämpfer. Dabei standen neue Materiallösungen sowie strömungs- und wärmetechnisch optimierte Konstruktionen im Mittelpunkt, die eine höhere Belastbarkeit im praktischen Einsatz ermöglichen. Rt hat damit beeindruckend gezeigt, wie sich aufkommende 3D-Druck-Technologien mit Metall auf die Möglichkeiten zur innovativen Fertigung auswirken. 

Den umfangreichen Abschluss bildete der Vortrag von Sarah Heinze zur Wundballistik aus rechtsmedizinischer Sicht. Die Forensikerin behandelte dabei sehr lebendig und bildreich die Vorgänge im Schusskanal, typische Verletzungsmuster, mögliche Todesursachen sowie die Rekonstruktion von Schussereignissen. Aktuelle Fallbeispiele und moderne bildgebende Verfahren verdeutlichten die Bedeutung dieser Analysen für Ermittlungen und Gerichtsverfahren. Vor allem junge Männer würden dazu neigen, bei ihren Vorträgen umzukippen, konnte man hören. Bei diesem sehr intensiven Schlusspunkt zum Wiener Ballistik-Seminar der CCG ist nichts passiert. 

Insgesamt ist der CCG hier ein extrem dichtes Programm gelungen, das komplexes Wissen bestens aufbereitet hat. Vier lehrreiche Tage, die ebenso praxisorientiert und menschlich angenehm waren. Will sagen: Hier kann man sehr viel dazulernen und lernt spannende Menschen kennen, die mitten in ihrem Thema sind. Weiterbildung im besten Sinne mit der CCG. 

Die Carl-Cranz-Gesellschaft (CCG) bietet eine Vielzahl an wehrtechnischen Seminaren für die professionelle Weiterbildung an. HIER ist das aktuelle Programm zu finden. 

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