Bei unserem Besuch der SIG SAUER Werke in Eckernförde haben wir aus erster Hand und in aller Ruhe – also außerhalb der IWA – die hauseigenen Optiken betrachten und ausprobieren können.

Wenn man das nicht so auf dem Schirm hat und nur die neuen Waffen bestaunt, entgeht einem manchmal echt etwas – so auch hier bei den Optiken von SIG SAUER. Die Firma hat sich kreuz und quer aus dem Nato-Alphabet bedient und ganze Serien mit den Namen BRAVO, KILO, OSCAR, ROMEO, TANGO, WHISKEY oder ZULU  aus dem Boden gestampft. Hier im Bericht zeigen wir Euch ein paar Highlights.

SIG SAUER OPTICS

SIG SAUER Optiken werden in China gefertigt, was spätestens seit Holosun kein Qualitätsmakel mehr ist. Vielmehr muss man sich mit der Materie auseinandersetzen, um die Spreu vom Weizen zu trennen. SIG SAUER hat nicht, wie viele Hersteller es tun, einen Chinesen angeheuert, Optiken eingekauft und das SIG Logo draufgeklebt, sondern einen guten Hersteller herausgefiltert und mit diesem dann Produkte entworfen. Dabei sind einige sehr interessante und einzigartige Optiken entstanden.

Wer sich tiefer in die speziellen Technologien einlesen will, kann das auf der internationalen SIG SAUER Seite machen, HIER der Link.

BRAVO SERIE

BRAVO sind bei SIG die Battle Sights, also Vergrößerungsmodule mit fester Vergrößerung wie z.B. bei anderen ACOGs, Browe BCO und so Ähnliches.

Das ist das BRAVO3 mit 3x Vergrößerung bei 24mm Linse. Dieses Gerät konnten wir uns leider nicht selbst ansehen, deshalb erwähnen wir es auch nur kurz. Zu den Details können wir leider nicht viel sagen, da auch auf der SIG SAUER Seite dazu noch nicht viel zu finden ist. Dafür aber zum nächsten Gerät, dem BRAVO4.

Das BRAVO4 sieht extrem futuristisch aus. Neben dem markanten Look hat es eine 4-fache Vergrößerung bei einem 30mm Objektiv zu bieten. Etwas weniger als ein ACOG, dafür hat man aber das in der Industrie führenden Sichtfeld von satten 42°! Um es sich besser vorstellen zu können: Das ACOG TA31 hat ein Sehfeld auf 100 Yards von 36,8 Fuss. Beim BRAVO4 sind es 53 Fuss – da behält man definitiv den Überblick auf dem Schlachtfeld.

Die Beleuchtung des Absehens übernimmt eine Knopfbatterie, Dioptrien können selbstverständlich auch eingestellt werden und von Haus aus ist eine Schnellspannmontage integriert. Für den schnellen Schuss auf kurze Distanz kann, wie hier zu sehen, ein Mini Rotpunkt per Picatinny Schiene auf 12 Uhr montiert werden. Das Absehen ist ein klassischer Horseshoe Dot kalibriert für 5.56/7.62 oder 300 BLK. Mit 400 Gramm Gewicht ist die Optik ca. 100 Gramm leichter als ein batteriebetriebenes ACOG.

Alles weitere werden wir hoffentlich demnächst in einer separaten Review vorstellen.

JULIET SERIE

Da hat doch SIG still und heimlich einen Magnifier herausgebracht, den wir nicht in unserer Magnifier Testreihe hatten: wir präsentieren den JULIET4, einen der beiden Magnifier aus dem Hause SIG SAUER.

Der JULIET4 hat eine 4x Vergrößerung, was ihn aktuell zu einem der ganz wenigen Magnifiern macht, der mit dieser Vergrößerung arbeitet. Die meisten haben sich auf 3x festgelegt, was unserer Meinung nach 1-fach zu wenig ist. Vor allem, da beim sportlichen Schießen Disziplinen bis 4x erlaubt sind, verschenkt man so etwas Vergrößerung. Um so mehr freuen wir uns also über diesen Exoten.

Hier leider ein etwas unschönes Bild, der JULIET hat in Wirklichkeit ein viel besseres Bild und überzeugt auf den ersten Blick durch kompakte Form, solide Verarbeitung und integrierter Schnellspannmontage. Auch dieses Gerät hoffen wir demnächst im Detail präsentieren zu können, da es dazu fast keine Informationen im Netz gibt.

Um die JULIET Reihe zu komplettieren, gibt es noch den JULIET6 – also einen 6x Magnifier, der bei unserem Besuch leider nicht zur Hand war.

KILO und OSCAR SERIE

Da kommen einige Kilos zusammen: aber nicht vom Gewicht, sondern von der Vielfalt der KILO Serie. Hier rechts im Bild, das kleine und unscheinbare Kästchen.

Die KILO Geräte sind Rangefinder, also Messgeräte für die Entfernung zum Ziel. Dabei wird ein Laser auf das Ziel projiziert (unsichtbar) und damit die Entfernung gemessen. Insgesamt gibt es fünf verschiedene Geräte:

  •  KILO1400BDX 6×20 mm
  •  KILO850 4×20 mm
  •  KILO1250 6×20 mm
  •  KILO2000 7×25 mm
  •  KILO2400ABS

In der Funktion grundlegend gleich, unterscheidet die einzelnen Modelle die Vergrößerung, Messweite zwischen 800 und 2000 Yards sowie die Möglichkeit, direkt mit der BDX-Software des Zielfernrohrs zu sprechen und so automatisch den Haltepunkt einzublenden. Das macht weit entfernte Schüsse so einfach wie Schüsse auf fünf Meter Entfernung, wirklich beindruckend. Sobald wir uns mehr mit der Long Range Kunst befasst haben, werden wir auch hier ein Review vornehmen und die Geräte miteinander verheiraten, damit ihr einen Überblick bekommt.

Links auf dem Bild oben seht Ihr das OSCAR3, das wichtigste Hilfsmittel für den Scharfschützeneinweiser. Die OSCAR Serie umfasst zwei Geräte:

  • OSCAR3 10-20×30 mm
  • OSCAR3 6-12×25 mm

Wer aufgepasst hat, weiß auch, was diese Geräte machen. Richtig, es sind Spotter-Scopes, also Monokulare zur Beobachtung der Treffer. Besonders ist an diesen beiden Geräten die Größe und die elektronische Bild-Stabilisation. Was das ausmacht, seht ihr im verlinkten Video:

 

ROMEO SERIE

Julia (oder Juliet)? Genau, zum Magnifier passend kommt die ROMEO Serie, die eine ganze Ladung Reflexvisiere bzw. Red Dots umfasst:

  •  RROMEO1
  • ROMEO3
  • ROMEO4H / ROMEO4S / ROMEO4T / ROMEO4M
  • ROMEO5
  • ROMEO6
  • ROMEO7

ROMEO1 und 3 sind Minireflexvisiere, wobei das ROMEO1 mit 1x30mm kommt und das ROMEO3 mit 1x25mm.

Das ROMEO1 wird seinen Anwendungsbereich primär auf Pistolen, Flinten, Aals Backup Sight auf anderen Optiken oder in der 45° Position neben einer Primäroptik finden.

Ab Werk kommt das kleine Visier mit einer Picatinny Montage. Optional gibt es direkt Adapterplatten, um sie ohne großen Aufwand auf bestehende SIG Pistolen durch Ersetzen der Kimme montiert werden kann. Für die P320 sind Schlitten verfügbar, um dann auch mit Kimme und Korn schießen zu können:

Das Absehen ist ein 3 MOA Punkt, die Batterie lässt sich von oben wechseln – man muss also nicht die Optik herunterschrauben. Kritiker von Rotpunkt-Visieren auf der Pistole bemängeln ja die hohe Belastung durch die Bewegung des Verschlusses: Das ROMEO1 ist dafür ausgelegt, 10.000 Schuss .45 ACP auszuhalten, ohne die 0-Stellung zu verlieren. Außerdem hat es einen Bewegungssensor, der das Gerät nach zwei Minuten Inaktivität ausschaltet und bei der geringsten Bewegung wieder anschaltet.

Ach ja, und von wegen China Optik: Guns & Ammo hat dieses Reflexvisier 2016 zur besten Optik gekürt.

Das ROMEO3 1x25mm hatten wir leider nicht zur Sichtung vor Ort, hierbei handelt es sich um ein Mini Reflexvisier mit stärkerem Gehäuse und integrierter High-Mount – ideal für Maschinenpistolen, kurze ARs oder ähnliche Waffen. Ansonsten sind die Spezifikationen sehr Nahe am ROMEO1.

Die ROMEO4 und 5 Red Dots hatten wir nur kurz in der Hand. Während das ROMEO5, wie alle anderen Micro Red Dots, mit einem 2 MOA Dot und den typischen Merkmalen daherkommt, ist das ROMEO4H/S/T/M in vierfacher Version erhältlich.

  •  4H: Sportversion, hohe Montage, QuickDetach
  •  4S: Sportversion, Solar, hohe Montage, QuickDetach
  •  4T: Tactical Version, hohe Montage
  •  4M: Sportversion, flache Montage

H, S und T bieten ein interessantes Absehen. Es stehen vier verschiedene Varianten zur Verfügung:

  •  Punkt
  •  Punkt/Kreis (Circle-Dot)
  •  Punkt mit Haltepunkten darunter
  •  Punkt/Kreis mit Haltepunkten (siehe Bild bei Magnifier JULIET4)

Die M Variante bietet nur den Circle-Dot und wird sich damit am wohlsten auf einer Schrotflinte fühlen.

Die anderen drei Versionen glänzen mit hoher Batterielebensdauer, automatische Abschaltung/Wachmodus und beim T-Modell mit besonders haltbarem und robustem Aluminium. Dieses Gerät werden wir definitiv genauer testen und es mit dem Holosun vergleichen.

Erwähnenswert ist noch  die Montage: Die aktuellsten Modelle sind kompatibel mit Aimpoint Montagen, also beim Kauf darauf achten, aus welchem Jahr die Optik stammt, waren die ersten Geräte nämlich nicht!

Zum Schluss noch ein kurzer Blick auf das ROMEO7 (ROMEO6 war nicht vor Ort):

Damit man es den „Röhrenguckern“ auch recht macht, die nicht mit Micro-Visieren klar kommen, gibt’s von SIG auch ein Gegenstück zum Aimpoint Comp M4. Ein 2 MOA Punkt in einer 30mm Röhre, mit der man wahrscheinlich auch Nägel einschlagen kann – typisch und klassisch.

TANGO SERIE

Die WHISKEY Serie (Jagd) und die TANGO Serie (Tactical) umfassen die Zielfernrohre von SIG SAUER.

Jetzt wird es spannend, gerade bei Zielfernrohren macht das Herstellungsland einen riesen Unterschied. Grob sagt man ja, China ist unterste Liga, Taiwan (jedenfalls durch unsere Tests und Erfahrung mit Optisan) etwas besser und Japan ist Premium, zumindest was den Osten anbelangt.

Jetzt hat aber schon Vortex bewiesen, dass man brauchbare Zielfernrohre in China fertigen lassen kann und SIG SAUER beweist es erneut. Die TANGO Serie haben wir uns auf der IWA angesehen und speziell das TANGO6 4-24×50 vor Ort. Hier alle Geräte der Tango Serie aufgelistet:

  • TANGO4
    • TANGO4 1-4×24
    • TANGO4 3-12×42
    • TANGO4 4-16×44
    • TANGO4 6-24×50
  • TANGO6
    • TANGO6 1-6×24
    • TANGO6 3-18×44
    • TANGO6 4-24×50
    • TANGO6 5-30×56

Beide TANGO Reihen kommen mit dem Absehen in der ersten Bildebene (FFP), bedeutet, dass das Absehen sich mitvergrößert. So hat man, egal in welcher Vergrößerung man sich befindet, immer die gleichen Berechnungen vorliegen, was einen schnellen Schuss begünstigt. In der zweiten Bildebene (SFP) geht das nur in der niedrigsten und höchsten Vergrößerung.

Was haben sie noch gemeinsam? Sie haben Return-to-Zero Türme, die auf Kundenwunsch mit der entsprechende Patrone/Laborierung per Laser beschriftet werden können.

Beide besitzen den Schlaf/Wachmodus wie auch bei den Rotpunktvisieren und eine IPX7 Zertifizierung wenn’s mal nass wird.

Das von uns getestete TANGO6 4-24×50 kommt mit einem MRAD DEV-L Absehen, zusätzlich gibt es das gleiche Absehen nochmal als MOA DEV-L und ein klassisches MRAD/MOA Fadenkreuz. Was fällt uns in diesem Bild auf? Da leuchtet ja was im rechten Rand des Zielfernrohrs orange … seltsam? Genial, absolut genial.

Viele Hersteller bieten ja als Zubehör für Ihre Zielfernrohre eine Libelle (Wasserwaage) an, die dann unter oder neben dem Visier angebracht wird. Damit kann der Schütze dann die Waffe richtig ausrichten und dem Verkanten entgegenwirken. Nachteil daran: Man muss den Blick aus dem Glas nehmen, wenn man kontrollieren will. SIG hat das mal einfach so in das Glas integriert – und zwar elektronisch:

Die Technologie nennt sich LevelPlex Anti-Cant Technology. Simpel, einfach und genial. Der Schütze bleibt im Ziel und sieht sofort, wenn er nicht richtig horizontal ausgerichtet ist. Leuchtet rechts und links kein Licht, passt es, ansonsten muss korrigiert werden.

ZULU Serie

Zum Schluss noch ein gaaaanz kurzer Blick auf die ZULU Serie. Wem ein Monokular zu wenig ist, nutzt ein Fernglas. SIG hat’s und davon reichlich:

  • ZULU3 8×32
  • ZULU3 10×32
  • ZULU5 10×42
  • ZULU7 8×42
  • ZULU7 10×42
  • ZULU9 9×45
  • ZULU9 11×45

Hier das große ZULU9 im schicken Look. Viel gibt’s bei einem Fernglas ja nicht zu sagen:

Die ZULU Gläser sind Tripod-kompatibel (7 & 9) haben ein extrem griffiges Gehäuse und sind allen Wettern gefeit, dank Beschlagsfreiheit und Wasserdichtigkeit.

Moment, da gibt es doch noch mehr … nur Spass – hierbei belassen wir es erstmal, wer sich alle Optiken von SIG SAUER ansehen will, sollte viel viel Zeit einplanen und mal auf der Homepage vorbeischauen:

SIG SAUER Optics im Internet: www.sigsauer.com/products/electro-optics

Damit sind wir am Ende unserer „kurzen“ Vorstellungen der SIG SAUER Optiken. Schreibt uns doch in den Kommentaren, welche Optiken Ihr gerne im Detail vorgestellt haben wollt und wir versuchen das dann umzusetzen. Auf jeden Fall werden wir das Romeo 4T und die Magnifier ganz genau unter die Lupe nehmen.

SIG SAUER im Internet: sigsauer-le.com

SIG SAUER Inc. auf Instagram: www.instagram.com/sigsauerinc