Im ersten Teil des „Ausflugs“ in die Endurance-Welt haben euch unsere Freunde von der DIRTRUN COMPANY den Einstieg in die intensive Seite des OCR Sports über die vergleichsweise „sanften“ Hurricance Heats gezeigt. Im Teil 2 der Serie geht es nun um die Königsklasse. Bei den Formaten in diesem Teil tragen nunmehr Faktoren
wie physische Kondition, mentale Stärke, Führungsqualität, wie auch Improvisationsvermögen zum
erfolgreichen Bestehen der Herausforderungen bei.

Und über allem thront universell die Aussage: „Wenn du Fragen hast, bist du nicht bereit dafür!“

Spartan Agoge

Anschließend an den Teil 1 springen wir noch einmal kurz zurück in die Welt von Spartan Race. Joe
De Sena verfolgte mit seinem Konzept von Spartan Race schnell mehr als das Ziel „nur“ eine weltweit sehr
erfolgreiche Hindernislaufserie aufzuziehen. In Zusammenarbeit mit Sportwissenschaftlern und
Medizinern entwickelte er eine ganzheitliche Trainingsmethodik mit welcher er gleichermaßen Geist
und Körper formt. Alles mit dem Ziel einen besseren Menschen zu schaffen, der sich im täglichen
Leben in jeglicher Lage zu beweisen weiß. Zugegeben, das klingt sehr amerikanisch abgehoben, hat
aber wenn man das viele Marketinggelaber außen vor lässt auch einen gewissen Reiz.

Die Spartan Agoge lehnt sich, wie man vielleicht schon erkennen kann, sehr an der griechischen
Geschichte der ursprünglichen Spartaner an. Ein sehr strenges, forderndes und umfängliches Training
mit dem Ziel moralisch gefestigte Elitekämpfer für die Verteidigung Spartas zu schmieden.

Die neuzeitliche Auslegung von Spartan Race sieht in seiner finalen Stufe ein 60-stündiges Martyrium
vor, in welchem die 4 Säulen durch verschiedenste Aufgaben einfließen:

  • Absicht

Eine klare Vorstellung zu haben, worum es bei der AGOGE geht, was man erreichen will und wie man leben will

  • Verpflichtung

Seinem Leben eine Bedeutung zu geben und es gesund zu führen

  • Widerstandskraft

Sich an die Gegebenheiten seines Umfelds anzupassen und Stress zu überwinden

  • Wissen

Sein Wissen durch Fakten und ge-/erlebten Erfahrungen auszubauen

Die ersten Agoges fanden als Sommer- bzw. Winterversion ausschließlich in Pittsfield Vermont (USA) statt. 2016 wurde der Austragungsradius dann auf Weltweit ausgeweitet und so kommt man in
den Genuss an einer AGOGE an historisch bedeutenden Plätzen teilnehmen zu können. So fanden
sich in den letzten Jahren Island, China mit der Chinesischen Mauer, Tokio und etwa The Isle of Skye
auf der Agoge-Welttourneeliste.

Spartan AGOGE

Reborn or Die

Ein sehr martialischer Name der dann auch in gewisser Weise eintritt. Keine Sorge, der Tod wird bei
diesen Bewerben nicht als Ende auf den Teilnehmer warten, sondern höchstens ein vorzeitiges
Ausscheiden. Der ehemalige spanische Fallschirmjäger Antonio Marcos gründete 2014 die rein auf Endurance-Bewerbe spezialisierte „Reborn or Die“ Serie. Die Zielsetzung hierbei ist eine
vergleichsweise simple … Wer seine persönliche Leistungsgrenze und sie ein stückweit zu
überwinden sucht, der ist bei RoD richtig.

Im Vorfeld der Bewerbe gibt es nur wenige konkrete Informationen. Die übliche Gearlist gehört dazu
und wo das ganze stattfindet. Viel mehr dann aber schon nicht. Im Reglement findet sich im
Wesentlichen der Hinweis, sich mit der Umgebung (Topografie, Verkehrsmittel, etc.) vertraut zu
machen.

Über verschiedene Bewerbslängen (4 bis 60 Stunden) auf ganz Europa verteilt, kann man seine
persönlichen Grenzen ausloten. Stehen die Versionen 4 bis 24 Stunden noch im Zeichen des
gemeinschaftlich erarbeiteten Erfolgs, so ändert sich das bei den 36+ Ausgaben völlig. Hier wird
aussortiert wer den Anforderungen nicht gewachsen ist und es wird von einer Finisherquote von nur
etwa 40% gemunkelt.

Death Experience 36h Slovakia

Hier liegt der Fokus auf dem Durchaltevermögen des Einzelnen und schlussendlich gibt es dann
auch einen „Gewinner“. Der vielseitigste, schlaueste und leidensfähigste Teilnehmer erhält eine
Trophäe samt handgeschnitztem Totenkopf und einen Eintrag auf der Wall of Fame von RoD.

Reborn or Die

The Unknown

England ist nicht nur das Mutterland des Fußballs sondern auch das Land mit einer vergleichsweise
lang zurückreichenden Geschichte im Hindernislaufsport. Im Jahre 1987 fand die erste Ausgabe des
Tough Guy Rennens statt und markierte ein stückweit den Beginn eines Megatrends im vereinten
Königreich. Heute, im Jahr 2018, findet sich in UK die europaweit höchste Dichte an Hindernislauf und
ähnlich gearteten Veranstaltungen.

Eine davon ist „The Unknown“. The Unknown entstammt der Laufserie Judgement Day und legt ganz
dem im englischen Raum gepflegten Stil (höher, wilder, weiter) noch ein Schäufelchen drauf. Im
Vorfeld weiß man von der Veranstaltung nur, dass sie in England stattfindet, 36 Stunden dauert und
dass es nur rund 75 Startplätze gibt. Nach erfolgter Anmeldung erhält man 2 Emails. Eines mit der
Ausrüstungsliste und die 2te mit dem Treffpunkt.

Wagt man trotz der Warnungen/Hinweise über die bevorstehende Grenzerfahrung den Schritt zur
Teilnahme, so sollte man sich seiner Sache sehr sicher sein. Aus Berichten zu vergangenen Ausgaben
erfährt man, dass es nebst unzähligen körperlichen und mentalen Herausforderungen auch gut 70KM
an Wegstrecke mit 2.800HM zu bewältigen galt. Wobei hier natürlich nicht von Laufen im klassischen
Sinn die Rede ist. Laufen im Sand, Laufen im Wasser, Laufen mit 20KG Sandsack, Laufen mit
Baumstamm.

Um die Psyche gleichermaßen zu fordern wird man dabei nicht allzu freundlich behandelt und führt
sein Leben während des Bewerbs als Nummer. Hunger und Übermüdung als ständige Begleiter geben
so manchen Aufgaben einen ganz speziellen Charme. Bekannt für sehr irrwitzige Herausforderungen
erwarten die Teilnehmer Aufgaben wie zB. Die Distanz eines Halbmarathons (21,1 KM) ausschließlich
auf einer teilweise bis zu 30 Grad steilen Sanddüne zu absolvieren. Bedeute 70 Mal rauf und wieder runter. Dazwischen mischten sich dann Vorgaben wie den Hügel runterzurollen, oder rückwärts
hochzusteigen. Natürlich immer unter Vorgabe einer Zeitkomponente.

The Unknown 2017

Judgement Day

Und was hat man davon?

Das ist wohl die am häufigsten gestellte/gehörte Frage wenn man über Endurance Bewerbe spricht.
Für die einen ist es der Reiz am sich Versuchen an einer neuen Herausforderung, für andere eine
Leidenschaft und für manche wohl eine schlichte Flucht aus dem langweiligen Büroalltag. Eines
haben diese Veranstaltungen aber durch die Bank gemeinsam. Sie bieten auch dem nicht in
(Spezial)Einsatzkräften tätigen Interessenten die Möglichkeit, für einen überschaubaren Zeitrahmen in
die abenteuerliche Welt von physischer/psychischer Erschöpfung einzutauchen. Fein Abgestimmt
und meist mit ansteigenden Dosen findet sich dabei mit Sicherheit eine Bewerbsart und –länge die
passt.

HIER geht es zu Teil 1 der Endurance-Reihe.

Die DIRTRUN COMPANY im Internet: www.dirtrun.company

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