Beschäftigen wir uns mit taktischer Medizin, so stoßen wir unweigerlich auf den Begriff „Tactical Combat Casualty Care“, kurz: TCCC oder T3C. Diese militärische Begrifflichkeit meint nichts anderes, als die Anwendung von Erster Hilfe unter taktischen Gesichtspunkten im unmittelbaren Einwirkungsbereich des bewaffneten Gegners. Da sich Zivilisten grundsätzlich mit militärischer Nomenklatur schwer tun und die Politik immer darauf bedacht ist, polizeiliche Konzepte bürgerfreundlich neutral zu verklausulieren, hat sich in den letzten Jahren im zivilen Bereich der Begriff des „Tactical Emergency Medical Support“ (TEMS) etabliert. Um eine müßige Debatte über Spitzfindigkeiten nicht auch noch in dieses Kapitel zu tragen, halten wir fest, dass beide Begrifflichkeiten nahezu deckungsgleichen Inhaltes sind. Es geht um taktische Verwundetenversorgung bzw. Notfallmedizin. Ob Soldat oder Zivilist, gleiche Verletzungsmuster in einer feindlichen Umgebung erfordern identische Erstmaßnahmen.Statistische Erhebungen aus zurückliegenden kriegerischen Auseinandersetzungen haben zu dem Schluss geführt, dass etwa 15% der Todesfälle im Gefecht zwischen Kombattanten vermeidbar gewesen wären, hätten die Kameraden der Verwundeten zur richtigen Zeit die richtigen Erstmaßnahmen getroffen. Diese 15% sogenannter „vermeidbarer Todesursachen“ auf dem Gefechtsfeld gliedern sich in

9%           Blutverlust aufgrund von Extremitätenverletzungen,

5%           Spannungspneumothorax,

1%           Atemwegsverlegung.Ziel des TCCC ist es, diese Zahlen signifikant zu reduzieren. Durch geeignete Ausrüstung und entsprechendes Training sollen möglichst viele potentielle Ersthelfer in die Lage versetzt werden, an ihren verwundeten Kameraden noch während der laufenden Gefechtshandlungen, unmittelbar nach dem schädigenden Ereignis, lebensrettende Erstmaßnahmen durchzuführen.

Im Bereich der polizeilichen Spezialeinheiten wurde, durch den ständigen Austausch und gemeinsames Training mit militärischen Counterparts, schon relativ früh die Notwendigkeit der Übernahme taktisch-medizinischer Grundsätze erkannt und flächendeckend in der Bundesrepublik implementiert. Auch im Bereich der polizeilichen Auslandseinsätze werden deutsche Polizeibeamte, die in bestimmte Krisenregionen entsandt werden, seit Jahren vor ihrer Entsendung in den Grundlagen der taktischen Ersten Hilfe beschult.

Spätestens seit den terroristischen Anschlägen in Paris 2015 („Charlie Hebdo“, „Bataclan“) wird das Thema „TCCC“ nun innerhalb der gesamten Polizei diskutiert und vermehrt eine entsprechende Beschulung von Beamten des Wach- und Wechseldienstes sowie der Bereitschaftspolizei, sprich: den potentiellen Anwendern, gefordert. Die Entscheidungsträger in den jeweiligen Ministerien tun sich momentan allerdings noch schwer, so dass eine breitangelegte Fortbildung der genannten Zielgruppe bisher ausgeblieben ist. Nichts desto trotz steigt die Zahl der besorgten Polizeibeamten stetig an, die für sich die Notwendigkeit einer taktisch-medizinischen Grundbeschulung erkannt haben und sich in ihrer Freizeit fortbilden lassen und privat die notwendige Ausrüstung beschaffen; auf eigene Kosten versteht sich.

Für Sie als Rettungsdienstler bzw. Notfallmediziner bedeutet das, die Chancen steigen stetig, im Rahmen eines großen Schadensereignisses, wie einem Terroranschlag oder einem Amoklauf, auf Patienten zu treffen, an denen bereits mehr oder weniger intensiv und professionell, von geschulten taktisch-medizinischen Ersthelfern lebensrettende Erstmaßnahmen vorgenommen wurden. Daher dürfte es für Sie von Interesse sein zu wissen, wie diese Sicherheitskräfte medizinisch beschult worden sind und welche Materialien sie im Einsatz verwenden. Im Folgenden werde ich versuchen, kurz und auf das Wesentliche beschränkt, die Grundsätze und Erstmaßnahmen zu skizzieren, die diesen polizeilichen Einsatzkräften, in behördlichen oder privatwirtschaftlichen Kursen, vermittelt werden.

Tactical Survival Concepts im Internet: http://tacsurv.de

Die Serie „Mit harten Bandagen“ hier auf SPARTANAT:

Mit harten Bandagen (1): Taktische Medizin im zivilen Kontext

Mit harten Bandagen (2): Tactical Combat Casualty Care/Tactical Emergency Medical Support

Mit harten Bandagen (3): Die Vorgehensweise

Mit harten Bandagen (4): Die drei taktischen Phasen

Mit harten Bandagen (5): Taktische Ersthelfer

Tactical Survival Concepts im Internet: http://tacsurv.de

Der ganze Artikel von Mario Novak ist erschienen im Buch „Schnittstelle Rechtsmedizin: Polzei – Rettungsdienst“. Hier erhältlich: