Nix hat mit nix zu tun … So lautet das klassische Argument, das verhindern will, dass islamistischer Terrror mit religiösem Islam gleichgesetzt wird. Nun, friedliche Menschen moslemischen Glaubens sind keine Terroristen. Aber islamistischer Terror hat eine religiöse Ideologie im Hintergrund, die sich vorstellt, dass sie das Rad der Zeit zurückdrehen kann, damit die heile Welt des ursprünglichen Islam – rein nach dem Wort des Propheten – sich über die ganze Welt verbreiten kann. Mit Feuer und Schwert, versteht sich. Die Guten gegen die Bösen. Gerade wenn man den (terroristischen) Gegner verstehen will, lohnt sich ihn Original zu lesen oder eine fundierte Kommentierung zu holen.

Rüdiger Lohlker holt den Islamischen Staat von seinem Himmel herunter und präsentiert Originaltexte, die er als Islamwissenschaftler fundiert kommentiert. Da geht es um die Fatwas – religiöse Gutachten – die genau definieren, was gut und böse ist. Da geht es um die legitimen Quellentexte, aus denen im Zirkelschluss ein Weltbild fabriziert wird – was jede Religion so macht. Und natürlich geht es um die Praxis des IS, Sklaven, Plündern, die Sehnsucht nach der Erlösung im Endkampf – religiöser Terror und wie er aus einer bestimmten Auslegung der Religion entsteht.

Das Ganze ist ein extrem spannendes Buch, um das man nicht herumkommt, wenn man sich kompakt die Vorstellungswelt des IS annähern will. Wobei vieles so abstrus ist, dass man sich fragt, wie Menschen das Glauben können. Der IS auf seine Art ist eine Sekte, die einen religiösen Weltkrieg anstrebt und eingebettet ist ein eine Erfolgsgeschichte des radikalen Islams vom Sieg über die Sowjets in Afghanistan über die „befreite Zone“ Islamischer Staat mit seinem neuen Kalifat und dem aktuellen Terror in Europa. Es lohnt sich, das verstehen zu wollen …

Theologie der Gewalt: Das Beispiel IS (Islamica, Band 4648)“ von Rüdiger Lohlker, UTB, Wien 2016, 206 Seiten, Euro 18,99 ,–