Das Schloss Krastowitz, unendliche Weiten. Vielen Personenschützern wird dieser Ort inzwischen ein Begriff sein. Immerhin fand diese Tage bereits zum dritten Mal Protect & Prevent statt, das Fachseminar für sicherheitsrelevante Themen. Auch dieses Jahr strömten Angehörige von Spezialeinheiten, Diensten sowie aktive Soldaten und Personenschützer aus aller Herren Länder zusammen, um drei Tage lang ihre berufliche Fähigkeiten zu trainieren und zu vertiefen. Das Rezept hat sich bewährt: Auch dieses Jahr waren die Seminarräume des Schlosses bis auf den letzten Platz gefüllt. Die veränderten Bedrohungslagen unserer Zeit erfordern mehr denn je eine ständige Anpassung und Weiterentwicklung. Die hochkarätige Ausbildercrew, allesamt beruflich am Puls der Zeit agierend, vermittelte moderne Konzepte, um diesen Gefährdungen angemessen zu begegnen.Mario Nowak (Tactical Survival Concepts) gab eine Einführung in Taktische Medizin und die Unterschiede und Gemeinsamkeiten von klassischer Ersthilfe. Mit der für ihn typischen Intensität und Anschaulichkeit verankerte er das Erklärte und Gezeigte in den Köpfen, ob es für den Einzelnen nun Neuland oder eine willkommene Auffrischung war. Besondere Erwähnung verdient die praktische Ausrichtung. Notfallmedizin unter erschwerten Bedingungen, das kann eben auch bedeuten, einen Schwerverletzten auf die Rückbank eines Autos zu laden und während der Fahrt die Blutung zu stoppen. Quietschende Reifen und ein heulender Motor auf dem Gelände zeugten vom allgemeinen Einsatz, sich für den Ernstfall zu rüsten.

Sehen ist nicht gleich sehen. Ein geschulter und aufmerksamer Blick kann den Unterschied zwischen Gelingen und Misslingen eines Einsatzes und, im schlimmsten Fall, zwischen Leben und Tod bedeuten. Marco Gassner machte eindrucksvoll den Beitrag deutlich, den eine aufmerksame Voraufklärung leisten kann, ebenso wie die Risiken, die sich ergeben, wenn eine solche ausbleibt.Ob Kurz- oder Langwaffe, wer einmal einen Lehrgang bei Khi Pa Landgraf mitmacht, der weiß, dass er einem Meister seines Faches gegenübersteht. Der langjährige Schießlehrer und Einsatzausbilder bewies bei Protect & Prevent einmal mehr, welche detailreiche Komplexität auch die sogenannten Basics aufweisen. Und welche Verbesserungspotenziale sich selbst für erfahrene Anwender eröffnen können. Seine zwei Kurzlehrgänge, die das Gelände des Schlosses mit seinen praktischen und taktischen Entfaltungsmöglichkeiten nutzten, zählten für viele Teilnehmer unter die lehrreichen Höhepunkte des Wochenendes.Denkt man an Reisesicherheit, könnte wohl jeder eine Reihe wichtiger Punkte aufzählen. Die Lückenhaftigkeit der Liste wird einem wahrscheinlich erst so wirklich bewusst, wenn man jemandem wie Wolfgang Lehner zuhört. Er ist Security- & Krisenmanager für das größte börsennotierte und international tätige Industrieunternehmen Österreichs. In seinem Vortrag verschaffte er einen Überblick über das Thema Sicherheit Unterwegs. Vom Größten, etwa der Einstufung von Ländern in Risikogruppen, bis zum Kleinsten: Was sollte man immer in der Hosentasche tragen?Jan Pfefferkorns Vortrag stand unter dem Titel: Sprengfallen zum Anfassen. Und es wurde nicht zuviel versprochen. Neben einer theoretischen Einführung in IEDs (improvised explosive device) bekamen die Teilnehmer Briefe, technische Geräte und Alltagsgegenstände in die Hand, deren Innenleben eine Überraschung bereithielt. Mechanismen, Unterscheidungen, Ladungsstärken, auffällige Merkmale, Jan Pfefferkorns explosiver Crashkurs ließ keine Fragen unbeantwortet.Weg mit allem Überflüssigen. Techniken herunterbrechen auf einfachste Mechaniken, die allein dem Anspruch der Notwendigkeit gehorchen. Diese Philosophie würde Ulf Wanderer wohl unterschreiben. In ihm fanden die Teilnehmer einen leidenschaftlichen Advokaten für einfache, grobmotorische Lösungen für den Ernstfall, die sich auch in massiven Stresssituationen umsetzen lassen. Seine Techniken zeichnen sich allesamt durch unverschnörkelte Einfachheit und Effizienz aus. Dies trifft auf seine Einheit zum verdeckten Tragen und Ziehen zu als auch auf seinen zweiten Schwerpunkt an diesem Wochenende, dem Einsatz der Kurzwaffe auf Nahdistanz. Welche Gefahr von der eigenen Waffe ausgehen kann, zeigte spätestens der Vorfall in Unterföhring, bei dem einem Polizisten die Dienstwaffe entwendet und gegen ihn eingesetzt wurde. Wie verhalte ich mich, wenn ein Täter an meine Waffe greift? Welche Schritte setze ich? Ulf Wanderer bot einfache, unverschnörkelte Techniken aus dem Werkzeugkasten seiner reichen Berufserfahrung, um solche Situationen schnell und entschieden zu lösen.Dass der Personenschutz oder, allgemeiner gesagt, jeglicher aktive Sicherheitsdienst, ein psychisch anspruchsvolles Feld ist, muss nicht weiter erwähnt werden. Dass der psychologische Hintergrund gründlich vermessen und kartografiert ist, vielleicht schon. Dr. Andrea Plaschke lieferte in ihrem Vortrag, Burnout im Personenschutz, neben allgemeinen Erklärungsmodellen einfache Orientierungshilfen und Navigationsinstrumente für diesen oft wenig beachteten Bereich.

Ergänzt wurde das reiche Programm von BPNet-works, die einen Einblick in das weite Feld von Cyber Crime ermöglichten, sowie von Markus Schimpl (Jagdkommando, Buchautor „Ich rette mich”) der allgemeine Sicherheitsfragen verbunden mit Aspekten des Selbstschutzes und der Selbstverteidigung behandelte.Schirmherr von Protect & Prevent ist seit jeher Dr. Gerd Polli. Erstmals beteiligte er sich dieses Jahr auch als Referent. In seinen Vorträgen „Deutschland zwischen den Fronten“ und „Der Terror hat Europa erreicht!“ schöpfte er aus seinem reichen Erfahrungsschatz als Gründer und Direktor des Bundesamtes für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung. Seine brisanten Analysen politischer Zusammenhänge in der Innen- und Weltpolitik erwiesen sich als Augenöffner und brachten Licht in das Dickicht von Schlagzeilen, Gerüchten und Mutmaßungen.

Wie auch die Jahre zuvor war das Wochenende geprägt von Professionalität, Wissensvermittlung und lebendigem Austausch, der sich bis in die späten Abendstunden hinein fortsetzte. Nicht zuletzt die Vernetzung zwischen Behörden, Militär und privater Sicherheit verleiht Protect & Prevent seine Lebendigkeit, die sich in Teilnehmerzahlen, positiven Stimmen als auch getauschten Visitenkarten ablesen lässt.

Und so werden auch im nächsten Sommer Aktive aus dem gesamten deutschsprachigen Europa nach Klagenfurt pilgern, wenn sich das Schloss Krastowitz wieder für drei Tage in einen Knotenpunkt für sicherheitsrelevante Themen verwandelt.

PROTECT & PREVENT im Internet: www.protect-and-prevent.at