Der Islamische Staat ist so lange schon da, dass man fast nix mehr hören will von ihm. Und außerdem verschwindet er ja gerade, Mosul ist gefallen. Raqqa wird folgen. Alles wird gut. – Meinen wir nicht. Wir glauben, dass sich der „Staat“ wieder verflüssigen wird und global weiterkämpfen wird. Doch wie ist es überhaupt dazu gekommen, dass sich eine radikale Gruppe eine eigene „befreite Zone“ im Nahen Osten erkämpft hat? Dass ein extrem mörderischer Terrorismus so erfolgreich sein kann.

Joby Warrick geht die Vorgeschichte an: Eigentlich ist das Buch eine Biographie von Abu-Musab al Zarkawi, dem Jordanier, der den heiligen Krieg in den Irak gebracht hat. Nachdem Warrick sehr stark mit geheimdienstlichen Quellen aus Jordanien und auch den USA arbeitet, ist das extrem spannend zu lesen. Etwas schwächer ist der Teil hin zum neuen Kalifen al-Bagdadi. Das Buch bricht auf dem Höhepunkt der Entwicklung ab. Seine Stärke ist es, die Menschen und Ideen des islamistischen Terrorismus in den Vordergrund zu stellen und so Entwicklungen besser verständlich zu machen. Letztendlich ließt es sich wie ein Krimi, der aber gerade real life im Nahen Osten und in der Welt abläuft.

Black Flags: The Rise of ISIS“ von Joby Warrick, Corgi Verlag, 2016, 480 Seiten, Euro 8,99