Ihre Bücher sind die besten Visitenkarten für die deutsche Bundeswehr und wer sich über deutsche Truppenteile informieren will, ist mit ihrer Lektüre gut beraten. SPARTANAT wollte wissen, wer die Frau hinter den erfolgreichen Büchern ist und hat die Militärjournalistin Christin-Désirée Rudolph zum Interview gebeten.

SPARTANAT: Eine Frau schreibt die besten Bücher über die Bundeswehr. Wie ist das gekommen?

Christin-Désirée Rudolph: Vielen Dank für das Kompliment. Der Grundstein wurde schon im Teenageralter gelegt. Da las ich das Buch »Désirée« von Annemarie Selinko. Vordergründig wurde ich durch die Liebesgeschichte einer Seidenhändlertochter zu einem Soldaten namens Napoleone beim Lesen gefesselt, doch immer mehr zog mich dieser Soldat der später Kaiser von Frankreich wurde mit hinein in das unerschöpfliche Thema der Streitkultur im Großen: Dem Krieg. Die Philosophie des Krieges zog mich in den Bann und natürlich seine Macher und Retter – die Soldaten. Letztendlich die modernen Ritter. Ich schrieb schon von Jugend an und ich fühlte: irgendwann würde ich sie finden und beim Schreiben auferstehen lassen. Eine schwere Krankheit die mich lange an Krücken gehen ließ war dann der Startschuss zum professionellen Schreiben. Später folgte ein Praktikum beim Y-Magazin und mit meinem Erstling »Eyes on Target«, ein Verlagsbestseller. Ich bin die einzige Frau in Deutschland die diese Art Bücher verfasst, also musste ich mindestens genauso gut, wenn nicht besser schreiben, wie meine männlichen Kollegen.

SPARTANAT: Waren Sie selbst bei der Bundeswehr?

Christin-Désirée Rudolph: Nein. In meiner Generation war das undenkbar. Beim obligatorischen Hauptstadtbesuch in der Abschlussklasse schlief ich sogar ein beim Vortrag eines Bundeswehrsoldaten. Aufgewacht bin ich erst im späteren Leben, als ich mit den Auslandseinsätzen begriffen hatte, dass »meine Ritter« am losreiten waren und ich unbedingt ihre Reise mitverfolgen wollte.

SPARTANAT: Frauen können inzwischen zwar auch zum Militär, aber das ist noch immer selten. Woher kommt die Faszination am Thema?

Christin-Désirée Rudolph: Bei uns in Deutschland gibt es gar nicht so wenige Frauen in der Bundeswehr und wir haben auch sehr erfolgreiche Frauen wie Ulrike Flender die Kampfjetpilotin oder taffe Bauingenieurinnen, Panzerfahrerinnen usw.

Ich persönlich fand es schon immer spannend wenn Menschen sich für ihre Überzeugung und Werte einsetzen. Die Armeen unseres Bündnisses haben sich aufgemacht um einen ganz neuen Gegnertypus zu bekämpfen: den Terrorismus. Dieser Gegner ist nebulös und nicht greifbar. Er aufersteht in Situationen, in denen kaum jemand damit rechnet. Oft hat er nicht mal eine Rüstung an, sondern ergreift gewaltsam den Steuerknüppel eines Flugzeuges. Es ist schwierig geworden ihn zu finden, in Schach zu halten und im Notfall auszuschalten. Mich fasziniert, dass es Menschen gibt, die den Soldatenberuf ergreifen, um für Freiheit, Menschenrechte und Demokratie zu kämpfen und mich fasziniert die Technik der modernen Waffensysteme, um sich dem Terror nicht auszuliefern sondern ihm ein Stoppschild entgegenzustellen.

SPARTANAT: Sie waren von Fernspäher bis Panzertruppe unterwegs. Was ist ihr Eindruck von der Bundeswehr? Gibt es eine Lieblingseinheit?

Christin-Désirée Rudolph: Die Bundeswehr ist gerade in einem sehr schmerzhaften Prozess der Neuorientierung durch die Strukturreform, die feilt und sägt, um eine finanzierbare und den modernen Gegebenheiten angepasste Armee zu modellieren. Ich habe trotz Verschlankung und Ausphasung diverser Waffensysteme auf meinen Recherchen im Kern dieser Armee einen Soldatenpool aus topausgebildeten, hochmotivierten Leuten mit hervorragendem Taktik- und Operationsvermögen kennenlernen dürfen. Menschen, die keine Schlagzeile thematisiert. Sie haben mich durch ihre eiserne Disziplin, ihren Kameradschaftsgeist und ihre mentale Stärke überzeugt. Mein Fazit: Die Bundeswehr hat Ressourcen um ein starker Bündnispartner zu bleiben, unsere Politiker müssen sich nur trauen diese Ressourcen im Ernstfall sinnvoll einzusetzen.

Eine Lieblingseinheit habe ich nicht, denn jede Truppengattung über die ich geschrieben habe, hat ihr spezielles Können und das ist schon ein Faszinosum an sich.

SPARTANAT: Was sind ihre nächsten Projekte?

Christin-Désirée Rudolph: Über meine nicht alltäglichen Erlebnisse schreibe ich ein Buch mit dem Titel: ALLEIN UNTER KRIEGERN.

CHRISTIN-DÉSIRÉE RUDOLPH, Jahrgang 1966, begleitet seit 2004 als Militärjournalistin Elite- und Spezialeinheiten der Bundeswehr, mit denen sie in acht Ländern unterwegs war. Rudolph hat Journalismus studiert und veröffentlicht als Autorin militärische Sachbücher für den Motorbuch Verlag, Stuttgart. Nach ihrem Verlagsbestseller »Eyes on Target« über die Fernspähtruppe der Bundeswehr, forderten ihre Leser mehr Bücher dieser Art. Mittlerweile arbeitet sie an ihrem siebten Buch über die Spezialeinheit der deutschen Kampfschwimmer. Ihre Webseite lautet: www.christin-rudolph.de. Die Autorin ist auch auf Facebook vertreten.