Der Weg ist das Ziel – Team Survival Alpenüberquerung

Am 30. Juli 2012 ist Team Survival in Oberstdorf in Bayern gestartet und hat komplett zu Fuß am 03. August den Südtiroler Ort Vernag erreicht. Die knapp 115 Kilometer wurden ohne Mitnahme von Nahrung, dafür aber mit Kamerateam des Bayrischen Rundfunks bewältigt. Im Film, der vor über einer Woche ausgestrahlt wurde, sieht man Ronny Schmidt (re.) und seinen Expeditionspartner Daniel Meier (li.) sich über die Berge mühen. Das hat zu heftigen Diskussionen geführt. SPARTAN.AT hat nachgefragt: Was war da los, beim Überlebensmarsch durch die Alpen?
SPARTAN.AT: Du bist Suvivaltrainer und in 5 Tagen ohne Nahrung zu Fuß über die Alpen. Deine Bilanz?
Ronny Schmidt: Wer im Flachland lebt und denkt, er ist eigentlich recht fit, wird in den Bergen eines besseren belehrt. Trotz eines wöchentlichen Lauftrainings von min. 3 x 15-20km wurde ich an den ersten Aufstiegen eines besseren belehrt und musste schmerzhaft die Realität erkennen. Fit im Flachland ist nicht gleichbedeutend mit fit in den Bergen.
Eine sehr interessante Erfahrung ist das die Reaktion des eigenen Körpers auf den Entzug von Nahrung und einem großen Schlafmangel. Nach einem anfänglichen Down wegen Unterzuckerung am ersten Tag gewöhnte sich der Körper doch relativ gut an das Ausbleiben der gewohnten Kalorienzufuhr. Natürlich zog sich das Fehlen von Nahrung und die damit da hergehende verringerte Leistungsfähigkeit durch die Tour. Aber nachdem der Körper am zweiten Tag gemerkt hat, da kommt nichts mehr richtig, was ich verwerten kann, hat er sich eigentlich recht gut umgestellt und angefangen die Körperreserven zu verwenden. Am dritten Tag war fast kein Hungergefühl mehr vorhanden, obwohl wir von einem Kalorienbedarf auf der Tour pro Tag von min. 5000 kcal ausgehen können.
Eine weitere wichtige und lehrreiche Erfahrung war das verwenden von Schmelzwasser zum Decken des Wasserbedarfes. Wir tranken pro Tag ca. 6-7 Liter was doch für diese Klimazone recht hoch erscheint. Unseren Fehler und das Verstehen, welche Gründe dies hatte, fiel uns leider erst relativ spät ein. Das Schmelzwasser war einfach zu stark demineralisiert. Ich war bis dato der Meinung, dass der Weg des Wassers durch und über Felsen das Schmelzwasser, was im Grunde ja destilliertes Wasser ist, ausreicht, um diese wieder genügend zu mineralisieren. War aber im Endeffekt nicht so.
Zusammenfassend kann ich eines sagen. Wir haben sehr wertvolle Informationen für das Leben und Überleben in einer vergleichbaren Survivalsituation gelernt. Die war auch ein Hauptpunkt für diese Aktion, da wir damit unseren Kunden in den Kursen echte und lehrreiche Informationen mit auf dem Weg geben können. Dies ist überhaupt der Hauptzweck unserer Aktionen. Testen was funktioniert oder auch nicht. In Büchern stehen bestimmt auch viele Dinge, aber nur die Erfahrung am eigenen Leib zeigt einem Dinge, die wirklich funktionieren oder Humbug sind. Ich sage den Kunden meiner Kurse immer, Ihr braucht in einer Notsituation nicht unbedingt essen. Ihr haltet das ohne Probleme mehrere Tage, ohne große Belastung sogar mehrere Wochen durch. Und genau das wollten und haben wir selber bewiesen.
SPARTAN.AT: Es gab einen Film dazu. Man sieht, dass es dir am Anfang eigentlich ziemlich dreckig geht. Wieso?
Ronny Schmidt: Die war eine Reaktion auf viele Dinge im Vorfeld. Die weite Anreise mit dem Stress der Dreharbeiten und Vorbesprechungen am Vortag und vor dem Start der Tour in Verbindung mit einem falschen Training und einem Frühstück was aus einer halben Semmel bestand. Ich war einfach nach 5 Stunden laufen unterzuckert und dadurch körperlich am Ende. Dies gab sich jedoch nach 10min wieder und wir sind dann ja noch über 100km bis nach Italien gelaufen. Solch eine Unterzuckerung kann jeden Menschen bei einer Belastung und einem Nahrungsmangel betreffen. Der Körper braucht seine Zeit, um sich auf diese, ihm völlig unbekannte Situation einzustellen. Bei Daniel gab es diese Probleme erst später, was ich auch auf die 35kg Gewichtunterschied zwischen uns beiden beziehe.
SPARTAN.AT: Dein Partner ist Veganer, du ernährst dich normal. Denkst Du das hat Auswirkungen, wenn man plötzlich nur mehr Pflänzchen zum Essen sammelt?
Ronny Schmidt: Ja, es gibt relativ große Auswirkungen. Daniel hat von Haus aus durch seinen Körperbau und Ernährung einen anderen Grundumsatz. Sein Verdauungssystem ist an Pflanzennahrung besser gewöhnt. Ich muss aber dazu sagen, dass wir eigentlich fast keine Pflanzen gesammelt haben, da die Verdauung und Verwertung von rohen Wildpflanzen und der zugegebenermaßen doch recht geringe Nährwert meines Erachtens in keinem positiven Verhältnis stehen. Man müsste davon einfach zu große Mengen zu sich nehmen um seinen Kalorienbedarf zu decken. Dies stünde aber im krassen Widerspruch zu unseren Vorgaben von 5 Tagen für die Tour, welche durch mehrmalige Neudrehs von Szenen auch nicht gerade leichter wurden und der Zeitplan extrem eng war. Nimmt man jetzt extreme Mengen an rohen Pflanzen auf, kann man es eigentlich fast vergessen die benötigte Tagesleistung zu schaffen, da man den Körper einfach zu viel für die Verdauung und Verwertung aufbürdet.
SPARTAN.AT: Was war für dich der positive Höhepunkt der Tour?
Ronny Schmidt: Die Freundschaft und der Zusammenhalt mit Daniel, den ich am Start der Tour das erste Mal gesehen habe und der mir heute ein guter Freund geworden ist. Die positiven Reaktionen auf und nach der Tour von wildfremden Menschen. Der Stolz, die Tour bestanden und trotz aller negativen Momente und manchen Selbstzweifel nie aufgegeben zu haben. Ein ganz besonders schöner Moment war die Aussage des extrem erfahrenen Filmteams, das sie am Start der Tour niemals mit einem positiven Ende gerechnet hätten. Sie dachten wir wären ein paar Spinner aus dem Flachland, die nach ein-zwei Tagen aufgeben. Am Ende des zweiten Tages waren Sie schon überrascht und am Ende des drittens wussten Sie, dass sie sich in uns völlig getäuscht haben. Dies war ein sehr großer Moment, solche Worte aus dem Mund von Leuten mit solcher Erfahrung zu hören. Und natürlich war ein riesiges positives Erlebnis, die gewaltige Kraft, Schönheit aber auch Härte der Berge zu sehen, zu fühlen und zu erleben. Dieses Gefühl der Freiheit ohne Verpflichtungen in diesem wahnsinnig schönen Bergen war einfach unbeschreiblich.
SPARTAN.AT: Ihr wollt nun im Winter dieselbe Tour zu dritt noch einmal machen, von Obersdorf nach Meran, 130 Kilometer zu Fuß teilweise durchs verschneite Hochgebirge. Ist das nicht ein bisschen leichtsinnig?
Ronny Schmidt: Für mich muss ein kleines Abenteuer auch etwas Gefahr beinhalten. Würde die Tour ein Profialpinist machen, welcher dort wohnt und jeden Tag in den Bergen unterwegs ist, wäre es nichts Besonderes. Wir möchten aber zeigen, dass diese Tour auch von normalen Menschen zu schaffen ist. Wir gehen jede Vorsichtsmaßnahme ein, welche auf so einer Tour vorhanden sein sollte. Diesmal besteht das Team aus drei Personen. Der dritte Teilnehmer ist Sepp Fischer, ein gebürtiger Österreicher, der jetzt bin Bad Tölz lebt. Er ist der Trainer unseres Stützpunktes in Bayern und hat eine große Erfahrung mit und in den Bergen. Unsere Ausrüstung besteht aus Top Material und Sicherheitsgeräte wie z.b. ein LVS werden uns für die Tour gesponsert. Ich meine, dass dies recht gute Voraussetzungen für ein Gelingen der Tour sind. Vor einem Schneebrett oder einer Lawine ist man natürlich nie gefeit.
Ich glaube, folgende Aussage, die ich zur Tour veröffentlicht habe zeigt meine persönliche Intension und bedarf eigentlich keiner weiteren Diskussion zum warum oder weshalb: „Warum gehen 3 Jungs so ein Risiko ein? Für was? Ganz einfach – Ein Mann tut was ein Mann tun muss. Geht Wagnisse ein. Man sollte nicht sein ganzes Leben planen und Angst haben, dass etwas passieren könnte. Wo ist sonst das Abenteuer? Wo ist man noch ein freier Mensch, wenn nicht auf Touren an der persönlichen Grenze in einer lebensfeindlichen Umgebung. Träumt nicht von einem Abenteuer – Lebt das Abenteuer.“
RONNY SCHMIDT ist Inhaber von TEAM SURVIVAL. Der ehemaliger Zeitsoldat – Fallschirmjägerbataillon 251 (Calw) und Angehöriger Krisenreaktionskräfte (KRK: ehem. Sonderverbände mit Spezialisierung auf Krisenintervention) – bietet mit TEAM SURVIVAL die breite Palette von militärischem Überlebenstraining bis Bushcraft an zwei Standorten (Sachsen und Bayern) für Interessierte an.
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SPARTAN.AT










Wahnsinns Tour. Wer allerdings ein wenig komfortabler die Alpen überqueren möchte sollte sich einen erfahrenen Guide suchen und entsprechende Pausen einplanen. Fit muss man natürlich trotzdem sein.
Oberstdorf – Ein Skitourengeher ist bei einem Lawinenabgang bei Oberstdorf im Allgäu verletzt worden. Der 46-Jährige war am Samstag mit seiner Partnerin zum Grießgundkopf aufgestiegen, als ein etwa 600 Quadratmeter großes Schneebrett abrutschte, wie die Polizei mitteilte. Der Mann wurde von der Lawine etwa 200 Meter mitgerissen und teilweise verschüttet. Er kam mit einer Beinfraktur und mehrere Prellungen davon.
Guten Tag,
Film : Langweilig, aber so sind ja die Doku´s. So was spannend hin zu bekommen schwierig. Ich hatte mal was von fehlendem Lagerfeuer gehört, ist doch Film das kann mann einbauen.
Training : Leute, es sollte doch eine Survival Situation sein, oder solch eine Herausforderung, also wieso Training??
Mecker: Ronny, du weiß doch, die besten Kapitäne sitzen immer am Land
). Tu dir aber einen Gefallen, rechtfertige dich nie. Das ist finde ich das schlimmst. DU hast doch für dich alles gegeben. Reicht
Für Eure Winteralpenüberquerung wünsche ich Euch ausdrücklich Hals- und Beinbruch! Möget Ihr mit Erfahrungen wiederkommen die über abgeforerene Zehen hinausgehen, zeigts den ganzen Nörglern und Möchtegernalpinisten, zeigt dass Ihr echte richtige krasse Kerle seid, zeigt aus welchem Holz Ihr geschnitzt seid! No risk no fun! Wenn man Grenzerfahrungen machen will, MUSS man sich (und andere) in Gefahr begeben, sonst kann man auch nachmittags auch gleich im Seniorenheim beim Tanztee bleiben. Die ganzen Nörgler und Experten und Profis haben alle keine Ahnung, die sind nur neidisch weil sie nicht die Aufmerksamkeit erhalten, das ist der EINZIGE Grund weshalb sie Euch kritisieren. Macht Euer Ding, zeigt der Welt was ein normaler Mensch ohne ausreichende Survivalkenntnisse zu leisten imstande ist.
Hallo Ronny,
Mach weiter so und bleib wie du bist!
MkG
Eisenharte Aktion von den beiden. Meinen absoluten Respekt dafür. Hier zeigt sich mal wieder sehr schön das der Wille über das Material siegt, also das neben der körperlichen Vorbereitung die mentale Vorbereitung das Wichtigste ist. Die Qualität des Equipments ist dann nur noch ein zusätzliches Goodie.
Irgendwie hat mit der Bericht Lust gemacht selbst ein paar körperliche Grenzerfahrungen zu machen. Nun denn, der Winter dauert ja noch etwas an und die Alpen sind nahen!
Top Ausrüstung, aber keine Ahnung (“normale Leute”). Das sind die Zutaten, mit denen man Tragödien schreibt.
Von solchen Leuten gibts eigentlich schon genug in den Alpen.
Hallo Ronny,
Vorneweg: Ich bin restlos begeistert von Eurer Tour und zolle großen Respekt
Ich weiß was es bedeutet über mehrere Tage eine Alpenwanderung zu unternehmen (by the way aber nur mit Übernachtung im Zelt bzw. Essen auf Hütten
). In jungen Jahren als Kind bin ich bereits mit meinen Eltern Touren gelaufen und fahre weiterhin seit vielen Jahren jeden Sommer in die Alpen, um neue Herausforderungen anzugehen.
Ich habe gelesen, dass Ihr wohl erst am Abend vorher in Oberstdorf angekommen seid, also der Körper noch nicht akklimatisiert war; dies unterstreicht einmal mehr noch Eure Ausdauer und Euren Willen. Mir ist auch aufgefallen dass ihr im Film an einigen Stellen gähnen musstet ^^, was für Sauerstoffmangel ein Anzeichen war.
Am Anfang der Doku musste ich ein wenig Schmunzeln, denn ich kenne den Weg sehr genau, den Ihr gelaufen seid, und fragte mich ob ihr das wohl wirklich packen solltet.. das hat die Sache für mich spannend gemacht.
Allerdings kenne ich ihn, den Weg, wie eingangs erwähnt nur mit Übernachtungen + Nahrungszufuhr + Proviant.
Ich habe keine Ahnung wie viel der Bay-Rundfunk dazugedichtet bzw. weggestrichen hat; aber bei solch einer Doku geht im Kern immer etwas verloren.
Beim Durchstöbern Deiner Page habe ich unter News in Deinem Blog gelesen, dass es wohl Kritik gab. Dazu sage ich nur kurz: Bedauernswerte Personen auf die Du besser nicht viel geben solltest .. kostet nur Nerven. Ich denke die beneiden Dich und Deine Tour, die Du im übrigen wahrscheinlich Dein ganzes Leben in Erinnerung behalten wirst.
Ich finde es klasse was Ihr gemacht habt. Wenn man ein solches Unterfangen startet, kann auch immer mal etwas schief gehen (Regen, Schwächephasen, etc. …); sonst wäre es ja auch keine Herausforderung mehr.
Das, was Du in Deinem Youtube-Video sagst, kann ich nur bestätigen: Bergläufe sind völlig andere Läufe als Marathonläufe. Ich muss sagen, dass das Video auf Youtube wirklich super gemacht ist und nocheinmal viel genauer eure Tour darstellt.
Crazy Sache!
Alles klar; in diesem Sinne: Danke für Eure Eindrücke und ich kann nur dazu sagen:
Der Berg verbindet
Beste Grüße!!
gratulation, super leistung